Originaltitel: Hate List
Autorin: Jennifer Brown
Verlag: DTV
ISBN: 978-3-423-76003-4
Seiten: 456
Datum: August 2010
Extra: Leseprobe, englischer Buchtrailer

Inhalt: Valerie, Protagonistin des Buches, ist eine Außenseiterin, genauso wie ihr Freund Nick. Zusammen führen sie ein Liste mit Namen derer, von denen sie sich angegriffen fühlen. Für Valerie nur eine Art, ihre Wut zu verarbeiten. Doch für Nick scheint sie mehr zu bedeuten. Völlig unerwartet stürmt er mit einer Waffe in die Schule, verletzt Schüler, tötet sechs Menschen und sich selbst. Auch Valerie wird von einer Kugel getroffen und rettet der ihr verhassten Jessica damit das Leben, während Nick sich das Leben nimmt. Wochen später muss Valerie wieder zur Schule, dort sehen viele sie als Mittäterin.

Meine Meinung: Das Buch ist in vier Teile gegliedert, die in 45 Kapiteln eindrucksvoll Valeries Leben nach dem Amoklauf erzählen. Aus ihrer Perspektive erlebt der Leser, wie sich für sie alles verändert, Schuldgefühle, Misstrauen, Vorwürfe. In den ersten Kapiteln kommen zudem auch Zeitungsartikel vor, die von dem Amoklauf berichten und dem Leser etwas über die Tat berichten. Besonders gefallen haben mir einzelne Zitate am Ende eines Kapitels, die von Schülern während des Amoklaufes stammen.

Valeries Erzählung beginnt an dem Tag, an dem sie wieder in die Schule gehen soll. Allerdings gibt sie mit Rückblicken dem Leser die Chance, zu verstehen, was die Hassliste für sie bedeutete, wie sie zu Nick stand und wie sie vorher gelebt hat. Aber auch die nahe Vergangenheit seit der Tat greift Valerie auf: Krankenhausaufenthalt, Polizeibefragungen, Therapie.

War Valerie vorher bereits eine Außenseiterin, so scheint ihr Leben nicht nur in der Schule den Bach runter zu gehen. Die Ehe ihrer Eltern ist am Ende. Ihre alten Freunde wollen nichts mehr mit ihr zu tun haben. Mitschüler sehen in ihr eine Mittäterin, denn die Hassliste wird veröffentlicht. Nur Jessica, deren Name selbst darin mehr als genug auftaucht, versucht, sich Valerie zu nähern.

Dieses Buch nimmt das brisante und aktuelle Thema „Amoklauf“ einmal anders auf. Es geht weniger um die Motive als um das Leben danach.Valerie sucht nach einem neuen Anfang, obwohl sie ihr altes Leben lieber wieder haben würde. Denn sie steht vor dem Nichts, hat ihre einzige Vertrauensperson verloren und spürt von Anfang an den Hass ihrer mitschüler. Die Autorin stellt immer wieder eindrucksvoll die Verzweiflung Valeries dar, die nicht mehr in die Schule will.

Es gelingt dem Leser schnell, sich in die Situation der Protagonistin hinein zu versetzen. Auch wenn man nicht weiß, wie man sich als eine Person in einer solchen Lage fühlen würde, fühlt sich dieses Buch sehr realisitisch an. Das Verhalten der Protagonistin lässt sich leicht nachvollziehen, auch wenn sie Nick immer noch liebt. Sie gibt ihm kaum Schuld, auch nicht an ihrer jetzigen Situation, was dem Leser anfangs vielleicht verwirrt, im Nachhinein aber viel authentischer wirkt.

Einzig das Motiv für die Tat kommt nicht ganz heraus. Allerdings steht es auch nicht im Vordergrund. Valerie geht es nicht wirklich darum, nach den Gründen zu suchen, weshalb es der Leser nicht erfährt. Mir persönlich war es im Endeffekt aber auch egal, warum es dazu gekommen ist.

Fazit: Alles in allem überzeugt das Buch nicht durch Spannung, sondern durch eine starke Hauptfigur. „Die Hassliste“ kratzt nicht nur an der Oberfläche, die Autorin hat eine tiefgründige Geschichte über Schuld und Trauma erschaffen, die auch durch einen sehr bewegenden Schluss glänzt. Wer sich für Jugendbücher interessiert, sollte dieses auf jeden Fall zur Hand nehmen.

Empfehlenswert:

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