Originaltitel: Tell Tale
Autorin: Sam Hayes
Verlag: Ullstein
ISBN: 978-3548610252
Seiten: 512
Datum: April 2011
Extra: Leseprobe

Inhalt: Ava wird als kleines Mädchen von ihrem alleinerziehenden Vater in ein Kinderheim gesteckt. Dort geschehen seltsame Dinge: Kinder verschwinden, tauchen nie wieder auf. Andere werden mitten in der Nacht von Männern geholt und wachen morgens völlig verstörrt wieder auf. Sie verbringt einige Jahre dort und lernt die kleine Betsy kennen, um die sie sich kümmert. Doch sie wird oft von den Männern geholt, ohne, dass Ava sie beschützen kann.
Nina ist verheiratet, erfolgreich und hat eine Tochter. Eigentlich führt sie ein erfülltes Leben, da fällt es auch nicht ins Gewicht, dass ihre Tochter dauernd das Internetspiel Afterlife spielt, sehr zu Ninas Leidwesen. Aber dann fühlt sie sich auf einmal verfolgt, beobachtet und weiß genau, dass irgendjemand sie gefunden hat nach all den Jahren.
Frankie arbeitet in einem Mädcheninternat als Hilfe für die Hausmutter. Eigentlich will sie sich keinem anvertrauen, aber Adam, ein Lehrer an der Schule, kommt ihr immer näher.

Meine Meinung: Das Buch ist in drei Handlungsstränge geteilt, zwischen denen permanent gesprungen wird. Alle drei spielen zu verschiedenen Zeiten. Frankie und Ava erzählen in der Ich-Perspektive, bei Nina benutzt die Autorin die dritte Person.

Dass es in diesem Buch um Kindesmissbrauch in einem Kinderheim geht, erfährt der Leser bereits indirekt aus dem Klappentext. Dort wächst Ava auf, bekommt davon meistens aber nur mit, wenn Kinder verschwinden. Sie kann nichts tun und auch die Erzieherinnen schauen weg. Trotzdem kann der Leser sehen, welche Angst sie und die anderen haben vor dem, was nachts dort geschieht.
Nina ist auch mit dem Kinderheim verbunden und Frankie arbeitet nun dort, auch, wenn es jetzt ein Internat ist. Letztere ist verschlossen, ängstlich und will sich niemandem dort zu sehr nähern. Nina ist eigentlich glücklich, aber irgendwas aus ihrer Vergangenheit holt sie ein, weshalb sie ebenfalls ängstlich und verstörrt wird.

Was alle drei miteinander zu tun haben, habe ich bereits nach wenigen Seiten vermutet und wurde bstätigt. Das war kein allzu großes Geheimnis. Trotzdem wollte ich jede einzelnen Strang weiter verfolgen, denn jeder hat mich auf seine Weise in den Bann gezogen und am Ende gab es doch eine Überraschung, die ich so nicht vermutet hatte.

Die Autorin legt den Fokus tatsächlich mehr auf die Figuren und ihre Gefühle, als auf das Geschehen. So ist in Avas Geschichte mehr Angst zu spüren, als dass der Leser etwas über den Missbrauch erfährt. Und selbst bei diesen wenigen Stellen verzichtet sie großzügig auf Details. Trotzdem bekommt der Leser mit, was für grausame Taten dort an unschuldigen Kindern begangen werden. In den anderen beiden Erzählungen geht es darum, sich mit den Geschehnissen auseinanderzusetzen. Allerdings wird einem Leser schnell klar, dass man so etwas nicht verdrängen kann.

Einen kleinen Abzug gibt es für das Ende, das mir prinzipiell gut gefallen hat, allerdings nicht besonders gut umgesetzt wurde.

Fazit: Für mich war es das erste Buch über dieses Thema. Es hat mir sehr gut gefallen, wie sich die Autorin in dem Buch damit auseinandergesetzt hat. Es geht um die Opfer, die Verarbeitung eines jahrelangen Traumas und das Leben danach. Ich finde Hayes ist ein verstörendes Buch gelungen, dass mich überrascht und ergriffen hat. Auf jeden Fall lesenswert, wenn man sich mit diesem Thema auseinandersetzen will.

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