„Wir Übrigen, wir sind alle wie Peter. Manche von können es nur besser verbergen. So oder so bist du unecht.“

Inhalt: Peter erschießt zehn Menschen in seiner Schule, verletzt viele weitere. Er wird festgenommen. Niemand kann es fassen und keiner weiß, warum er es getan hat. An seiner Schuld zweifelt keiner. Doch trotz zahlreicher Beweise scheint nicht alles so gewesen zu sein, wie anfangs vermutet.

Josie überlebt, ihr Freund Matt ist Peters letztes Opfer. Sie selbst war früher jahrelang mit ihm befreundet. Nun gehört sie zu den beliebten Schüler, während Peter als Einzelgänger Opfer von Mobbing ist. Doch sie fühlt sich nicht wohl in ihrer Haut. Jeden Morgen muss sie sich zwingen, ein anderes Gesicht aufzusetzen und zur Schule zu gehen. Ihre Mutter Alex ist ihr keine Hilfe. Sie ist Richterin und schafft es nicht, ihren Beruf zu Hause gänzlich abzulegen. Nach dem Amoklauf scheint Josie alle an diesem Tag verdrängt zu haben, anfangs zumindest.

Alex soll den Fall übernehmen, obwohl sie jahrelang mit Peters Mutter Lacy befreundet war. Ihr fällt es immer schwerer, in dieser Situation ihrer Mutterrolle gerecht zu werden. Dafür findet sie an dem Polizisten Patrick Gefallen. Lacy hingegen verliert bereits ihren zweiten Sohn. Doch Peters Anwalt Jordan scheint tatsächlich eine Strategie zu haben, ihn freizubekommen.

Meine Meinung: Die Personenkonstellation ist sehr komplex, was für über 460 Seiten vollkommen akzeptabel ist. Jedes Kapitel spielt an einem bestimmten Zeitpunkt. Einmal bereits Jahre vor dem Amoklauf, einmal nur ein paar Wochen später. Dem Leser wird so eine Übersicht geboten.

Zusätzlich springt die Geschichte zwischen den Perspektiven, sodass immer aus der Sicht einer anderen Person berichtet wird. Ein Wechsel findet ungefähr alle ein bis drei Seiten statt. Dadurch schafft es die Autorin, dieses Thema von allen Seiten zu beleuchten. Schüler, Eltern, Polizisten, Anwälte und der Täter selbst werden gezeigt. Anfangs etwas verwirrend, kann man trotzdem dem Erzählfluss gut folgen.

Eigentlich ein sehr gutes Buch, dass sich etwas tiefer in das Thema wagt, weshalb ich es durchaus auch empfehlen könnte. Allerdings weißt es doch leider eine Schwachstelle auf: Peter. Ich finde es seltsam, dass er neben zwei anderen Personen, der einzige war, dem ich noch Sympathie entgegenbringen konnte, obwohl er derjenige war, der andere getötet hat. Seine Person wurde im Endeffekt vollkommen verharmlost.

Das steht allerdings im Gegensatz dazu, wie die Autorin ihn eigentlich charakterisiert hat. Und zwar wählt sie hierbei die typischen Vorurteile, die man jungen Amokläufern entgegenbringt. Er hat Probleme mit seiner Familie, ist ein Computerfreak, spielt brutale Spiele am PC, hat keine Freunde und weitere Merkmale, die genau zu dem passen, was man auch in den Medien immer über solche Menschen berichtet. Zudem taucht als Nebenrolle ein Mann in dem Buch auf, der sich mit dem Thema „Amoklauf“ beschäftigt und bestätigt, dass die Täter immer dasselbe Muster aufweisen.

Fazit: Alles in allem gibt es durchaus bessere Bücher zum Thema, aber auch schlechtere. Der Erzählstil ist auf jeden Fall passend gewählt. Wer sich von den Voruteilen nicht stören lässt, der sollte zumindest einmal in das Buch hineinschauen.

Bonus: Eine Website über die Autorin und ihre Bücher betreut der Piperverlag.

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