Inhalt: Rumo schlägt sich durch sein Leben. Und sein Heimatkontinent Zamonien bietet mehr als genug Möglichkeiten, sich mit anderen zu schlagen. Als junger Wolpertinger lernt er das Laufen, Sprechen und das Kämpfen. Er erlebt die Kuriositäten und Eigenarten Zamoniens und seiner Bewohner. Er findet Freunde und seinen silbernen Faden.

Meine Meinung: Walter Moers schrieb hier ein weiteres Werk über den Kontinent Zamonien, der durchaus mit seinen anderen Büchern mithalten kann.
Dieses Mal begleitet der Leser einen Wolpertinger, einen Hund mit Hörnern, der fähig ist, Sprechen und Laufen zu lernen. Die Hauptfigur ist bereits aus dem vorherigen Werk „Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär“ bekannt und heißt „Rumo“ wie ein zamonisches Kartenspiel. Diese Tatsache wird auch nicht gerade selten in dem Buch angesprochen.
Rumo ist anfangs ein sorgenloses Wolpertingerkind, dass eines Tages entführt wird von Teufelsfelszyklopen und auf deren Teufelsfelsen er die Haifischmade Volzotan Smeik (ebenfalls aus „Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär“ bekannt) trifft. Smeik wird zu einer Art Lehrer für Rumo, bringt ihm vom Sprechen bis zum Kämpfen alles bei. Einen Teil der Reise unternehmen sie zusammen, bis Rumo den silbernen Faden wahrnimmt – den Geruch der Liebe.

Das Buch ist in zwei Teile aufgeteilt: „Obenwelt“ und „Untenwelt“ und beide Teile spielen auch an den genannten Orten. Zum Ersten sind zwei Karten in dem Buch abgedruckt. Eies zeigt den Ausschnitt von Zamonien, den Rumo und Smeik bereisen; die Andere ist ein Stadtplan von Wolperting, die Stadt der Wolpertinger, in die es Rumo später verschlägt. Außerdem gibt es mitten in dem Buch auch noch eine Karte zur „Untenwelt“.
Wie die  anderen Bücher ist auch dieses mit vielen Bildern gespickt, reizt aber auch durch die unterschiedlichen Schriftarten, zum Beispiel bei dem dämonischen Bewohner eines Schwertes. Und wenn Rumo in einen dunklen Raum tritt, dann sind die Seiten schonmal vollkommen schwarz. Allein für den Betrachter schon ein Augenschmaus.

Inhaltlich zaubert der Autor wieder in „seiner Welt“. Unter anderem locken Orte wie ein Fechtgarten, der detailgenau beschrieben Lust auf einen Besuch weckt. Oder ein Theater unter der Erde, dass aus den Schädeln der Feinde eines längst verstorbenen Königs gebaut wurde.
Trotzdem stehen immer noch die Figuren im Mittelpunkt. Obwohl es sich um erfundene Wesen handelt, schafft Moers es, ihnen menschliche Züge zu geben, die sehr authentisch sind. Insbesondere bei Rumo vergaß ich beim Lesen manchmal, dass er „nur“ ein Wolperting ist. Handlungsweisen und Eigenarten erinnern auch bei anderen an Menschen. Gleichzeitig gibt es auch keine Stereotypen, denn alle Figuren besitzen immer noch etwas Animalisches, von dem sie sich manchmal treiben lassen und überraschen den Leser dadurch, was in diesem Buch auch unabdingbar ist. Schließlich behandelt der Autor hier ein Thema, dass er bisher in seinen Büchern kaum aufgenommen hat und dessen man in Verbindung mit Fantasy eigentlich bereits überdrüssig ist – Liebe.
Für einen Wolpertinger hat jeder Geruch eine andere Farbe, der schönste ist dabei der silberne Faden, der Geruch der Liebe. Während der Leser erlebt, wie Rumo von einem unwissenden Kind, zu einem Kämpfer wird, lernt er auch gleichzeitig etwas über die Liebe, von der der Protagonist zur Kapitulation gezwungen wird. Besonders an einigen Stellen wird so deutlich, dass diese Wesen genauso fühlen wie Menschen. Moers schafft hier dem Leser also auch emotionale Nähe zu den Figuren.

Fazit: Wieder einmal habe ich ein wunderbares Buch von Moers gelesen und kann es jederzeit weiterempfehlen. Mit den anderen Büchern kann es auf jeden Fall mithalten. Für Leser der Zamonien-Bücher sind besonders die kleinen Auftritte bereits bekannter Figuren wie Nachtigaller oder Fredda ein Lesegenuss. Aber auch für Neueinsteiger ist es einen Blick wert.

Originaltitel: Rumo & Die Wunder im Dunkeln
Reihe: Zamonien
Autor: Walter Moers
Verlag: Piper

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