Originaltitel: You against me
Dt. Ausgabe: Ich gegen dich
Autorin: Jenny Downham
Verlag: David Fickling Books
ISBN: 978-1849920483
Seiten: 412
Datum: 2011
Extra: Leseprobe

Inhalt: Mickeys Schwester Karyn behauptet, vergewaltigt worden zu sein. Ihr älterer Bruder schwört Rache und schleicht bei einer Party ihres Peinigers Tom ein. Dort lernt der Junge Toms Schwester Ellie kennen. Anfangs versucht er nur, Informationen aus ihr herauszubekommen, um seinen Racheplan schmieden zu können. Doch nach und nach entwickelt sich zwischen ihnen eine eigene Geschichte…

Meine Meinung: In 45 Kapiteln wird die Geschichte der beiden Protagonisten erzählt. Dabei wechselt die Autorin zwischen Mickey und Ellie und erzählt so aus beiden Perspektiven, die anfangs kaum verschiedener sein könnten.
Ellies Eltern sind wohlhabend, haben ein großes Haus und einen schönen Garten. Das Mädchen selbst geht noch zur Schule, ihr Bruder studiert. Mickey hingegen lebt in einer kleinen Wohnung mit seiner alkoholkranken Mutter und zwei jüngeren Schwestern. Er arbeitet in einem kleinen Lokal als „Tellerwäscher“ und will eines Tages ein gefeierter Spitzenkoch in London werden. Doch für beide ändert sich alles, als Karyn zur Polizei geht.
Tom und seine Familie werden verhört, er selbst wird in Untersuchungshaft genommen, Ellie wird in der Schule von Mitschülern konfrontiert. Karyn traut sich nicht mehr aus dem Haus, die Mutter trinkt immer mehr Alkohol, Mickeys jüngste Schwester geht kaum noch zur Schule. Mickey selbst findet kaum Unterstützung, eine Bestätigung für Karyn Geschichte gibt es nicht, „Karyns Polizistin“ schenkt er kein Vertrauen. Stattdessen nimmt er die gesamte Verantwortung auf sich und fühlt sich deshalb verpflichtet, selbst für Gerechtigkeit zu sorgen.

So begegnen sich diese beiden vollkommen unterschiedlichen Charaktere. Ellie weiß anfangs nicht, wer Mickey in Wirklichkeit ist. Doch zum ersten Mal fühlt sie sich von einem Jungen angezogen. Und obwohl Mickey eigentlich bei seinen ersten Begegnungen nur Sachen über Tom herausfinden will, spürt er das Gleiche.

Thematisch steht diese Entwicklung natürlich im Vordergrund. Darumherum spielt aber auch die Vergewaltigung eine wichtige Rolle. Natürlich steht sie zwischen den beiden Protagonisten. Besonders Ellie ist verunsichert, weil sie für diese Beziehung keine Unterstützung bei ihren Eltern finden kann. Und dann beginnt sie, sich zu erinnern an den Abend, an den Karyn bei ihr zu Hause vergewaltigt wurde. Bei ihr ist der innere Konflikt größer als bei Mickey. Er machte auf mich bis kurz vor Schluss den Eindruck, als stehe die Familie immer noch über der Beziehung, dennoch gibt er eine Menge für Ellie auf.

Die beiden Protagonisten sind im Grunde sehr sympatisch, obwohl Mickey zu Beginn des Buches noch ein großer Frauenheld ist. Ihre gemeinsamen Szenen sind sehr einfühlsam und realistisch erzählt, Ellies Auftritte zeugen mit Verlauf der Geschichte immer mehr von ihrer Zerrissenheit.
Dazu trägt der Charakter Toms bei. Einen Moment scheint er der liebevolle ältere Bruder, der Angst hat, ins Gefängnis zu kommen, im nächsten tobt er vor Wut über Ellies Beziehung zu Mickey. Aber auch die fünfzehnjährige Karyn ist mir nicht sympatisch. Man erfährt, dass sie bereits auf Partys geht, sich betrinkt und aufreizend anzieht. Sie macht natürlich eine große Veränderung durch und wird ein verstörtes Mädchen, das nicht mehr aus dem Haus will. Allerdings spielt sie in einigen Szenen diese Rolle mehr schlecht als recht und erscheint dem Leser unglaubwürdig.

Spannend bleibt die ganze Zeit über, wer von den beiden, Tom oder Karyn, lügt. Der Leser wechselt zwischen beiden die Fronten, denn die Autorin schafft es, beide mal mehr mal weniger glaubwürdig darzustellen. Aber auch die Geschichte zwischen Mickey und Ellie trägt dazu bei. Leider ist manchmal sehr offensichtlich ein Vorbild namens „Romeo und Julia“ zu erkennen. Dazu stockt die Geschichte zwischendurch immer wieder und es kommt zu kleinen Längen, über die man aber hinwegsehen könnte. Einen weiteren Abzug gibt es für das Ende, was mir etwas zu offen war.

Fazit: Eine kurzweilige Liebesgeschichte, die man durchaus zur Hand nehmen kann. Wer Bevor ich sterbe mag oder gerne Geschichten à la Romeo and Juliet liest, wird sich wohl auch hierdran erfreuen können.

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