Originaltitel: Dencha Otoko
Autor: Hitori Nakano (Pseudonym)
Verlag: Carlsen (vergriffen)
ISBN: 978-3551581730
Seiten: 432
Datum: August 2007

Inhalt: Ein junger Man beschützt eine Frau im Zug vor einem Betrunkenen. Kurz darauf bedankt sie sich mit einem Paar Tassen. Unter dem Pseudonym „Train“ sucht der Mann Hilfe in einem Internetforum. Wie soll er sich für das Geschenk bedanken?  Per Mail, oder doch lieber Anrufen?
Das sich aus dieser Begegnung mehr entwickelt, weiß da weder Train, noch die anderen Nutzer des Forums, die von nun an online eine reale Liebesgeschichte verfolgen.

Meine Meinung: Das Reizvolle an diesem Buch ist wohl die Tatsache, dass es sich hierbei um eine reale Geschichte handelt. Einer der Nutzer hat viele der Kommentare aus den Threads über Train kopiert und in einem Buch zusammengefasst. Bis heute ist nicht klar, wer hinter dem Pseudonym „Train“ wirklich steckt.

Train ist ein junger Mann, der sich selbst als „Otaku“ bezeichnet. Auf Deutsch würde man „Freak“ dazu sagen. Er wohnt noch bei seinen Eltern, schaut Manga und liebt Computerspiele. Von Mode und ähnlichem hat er keine Ahnung.
Dass er eine junge Frau vor einem Betrunkenen schützt, überrascht ihn selbst. Normalerweise strotzt er nicht gerade vor Selbstbewusstsein. Als er schließlich als Dankeschön zwei Tassen von der Frau bekommt, ist er überfragt. Er sucht in einem Internetforum Hilfe. Die Nutzer geben ihm laufend Ratschläge, auch wenn es sich bei ihnen ebenfalls nur um „Otakus“ handelt. Mit der Zeit entwickelt sich immer mehr zwischen Train und Hermes, so wird die Frau an Anlehnung an die Marke der Tassen von den Nutzer genannt.

Hermes scheint aus einer wohlhabenden Familie zu stammen. Sie ist gut angezogen, geht gerne in verschiedenen Restaurants essen. Eigentlich ist sie das komplette Gegenteil von Train. Dass sich trotzdem etwas zwischen dem anständigen Mädchen und dem einsamen Otaku entwickelt, grenzt schon an ein Wunder.
Möglich wird das aber auch nur dank der Internetnutzer, die Train in Sachen Mode und Haarschnitt beraten, Tipps für Ausgehen und Benehmen geben und ihn unentwegt anfeuern. Mit Verlauf der Geschichte wird Train für sie eine Art Hoffnungsträger, dass auch sie eines Tages ihre Liebe finden werden.

Der neue Train ist echt cool.
Aber es war das Ich vor seiner Verwandlung, das am Anfang Mut gezeigt hat. (S.289)

Von der eigentlichen Geschichte zwischen Train und Hermes erfährt der Leser nur durch Trains Posts, die im Buch extra kenntlich gemacht worden sind. Alles anderen sind nicht einmal mit einem Benutzernamen versehen und oft sehr kurz gehalten. Da die Posts nicht verändert wurden, gibt es viele Abkürzungen und japanische Bezeichnungen, die im Anhang erklärt werden. Für weiteres „Forumfeeling“ sogen die ASCII-Bilder, die manchmal ausdrucksstärker sind, als die geschriebenen Worte. Leider sind die Bilder ab und an auch etwas schwer zu deuten, bzw. nicht zu erkennen.
Mit der Zeit merkt man, dass der Thread größer wird, auch ohne Benutzernamen. Die Unterhaltungen zwischen wichtigen Ereignissen, die Train zu berichten hat, werden dabei mit der Zeit etwas langartmiger, insgesamt hält sich das aber noch in Grenzen. Unterhaltsam sind dann wieder die Passagen, in denen die Nutzer einen Krieg zu führen scheinen, bei dem sie von Trains hoffnungsvollen Posts getroffen werden. Ein bisschen Fantasie ist hier schon gefragt.

Fazit: Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen. Auf die Aufmachung und die Inhalte mancher Unterhaltungen muss man sich einlassen können. Dann hat diese Liebesgeschichte durchaus Charme. Trotz ein paar Längen, ist es eine schöne und zeitgenössische Liebesgeschichte.

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