Originaltitel: Katertag oder: Was sagt der Knopf bei Nacht?
Autorin: Regina Dürig
Verlag: Chicken House (Carlsen Verlag)
ISBN: 978-3551520340
Seiten: 112
Datum: 2011
Extra: Leseprobe

Inhalt: Nico ist 15 Jahre alt, als sein arbeitsloser Vater mit dem Trinken anfängt. Zuerst merken nur er und seine jüngere Schwester Sasa, dass etwas nicht stimmt. Doch auch die Mutter kann die Wutausbrüche und leeren Flaschen bald nicht mehr übersehen. Bis es irgendwann nicht mehr weitergeht.

Meine Meinung: In diesem Buch schreibt Nico einen Brief an seinen Vater, der gerade einen Entzug macht. Er versucht zu verarbeiten, was er in den letzten Monaten wegen dessen Alkoholismus durchmachen musste. In der normalen Sprache eines Teenangers zeigt der Protagonist seine aufgestaute Wut, seine Traurigkeit, aber auch sein Unverständnis.
Sein Vater ist arbeitlos, seine Mutter bekommt wieder einen Job, also soll er sich eigentlich um den Haushalt kümmern. Es sind nur kleine Sachen, mit denen es beginnt. Eine ausgetrunkene Flasche, Gefühlsausbrüche des Vaters. Nico und seine Schwester Sasa sind unsicher, ob ihre Mutter es erfahren soll. Vielleicht ist alles auch gar nicht so schlimm. Doch mit der Zeit zeigt sich immer mehr sein alkoholbedingtes Verhalten. Er wacht morgens in Sasas Bett auf, er zeigt sich Nicos Freundin nur mit offenem Bademantel. Auch die Drohungen der Frau schaffen es nicht, ihn vom Alkohol abzubringen.

Bereits zu Beginn des relativ dünnen Buches erfährt der Leser, dass der Vater sich nach irgendeinem Ereigniss in eine Entzugsklinik begeben hat und dort von Mutter und Sasa regelmäßig besucht wird, im Gegensatz zu Nico. Mit Verlauf des Buches baut sich relativ wenig Spannung auf. Nur das ausschlaggebende Ereignis am Ende ist dem Leser noch unbekannt.
Die Thematik des Alkoholismus wird aus der Sicht eines Teenanger, fast noch ein Kind, aufgegriffen. Man merkt, dass das Thema sehr objektiv angegangen wird, und die Probleme des Vaters nur oberflächlich betrachtet werden können. Zum einen, weil Nico selbst versucht, die Augen davor zu verschließen, aber auch, weil er als Kind die Gesamtsituation betrachtet. Wahrscheinlich wäre die Alkoholsucht viel ausgeprägter, wenn man sie durch die Augen der Mutter betrachten würde.
Stattdessen liest man von die Worte eines traurigen und wütenden Jungen, die mal voller Ungläubigkeit und Naivität strotzen, dann aber auch wieder von Hilflosigkeit und Verzweiflung eines Kindes erzählen. Er ist selbst etwas ratlos, kann nicht mal mehr das Wort „Papa“ benutzen.

Der Schreibstil ist sehr einfach gehalten, als ob Nico selbst diesen Brief schreiben würde. Dementsprechend ist das Buch auch nicht besonders lang. Allerdings hebt sich das Ende etwas von der Geschichte ab, denn zum Schluss gibt es einen Antwortbrief des Vaters.

Fazit: Insgesamt ist das Buch keine aufrüttelnde Lektüre, die zum Nachdenken anregt. Dazu ist es eben viel zu sehr als Kind geschrieben und auch an solche gerichtet. Will man sich intensiver mit dem Thema beschäftigen, so dürfte es kein schlechter Einstieg sein.

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