Inhalt: Reni lebt in dem Mädchenheim Ulmengrund und wird dort von ihren Freundinnen bewundert, nicht nur wegen ihres Aussehens, sondern auch wegen ihrer blühenden Fantasie, mit der sie sich Eltern in Afrika erschafft. Doch auf einmal ändert sich ihr Leben: Sie soll dem Führer einen Blumenstrauß überreichen, erfährt die Wahrheit über ihre Eltern und verliebt sich.

Meine Meinung: Anders als Klappentext und Inhaltsangabe im Buch vermuten lassen, ist Reni nicht die einzige Protagonistin, die dem Leser begegnet. Die Handlung wird abwechselnd von dem 15-jährigen Waisenmädchen Reni Anstorm, der jungen Erzieherin Waltraud Knesebeck und dem Sohn eines Knechtes, Jockel, um das Jahr 1936 erzählt.
Das Mädchen Reni lebt seit seinem 11. Lebensjahr in dem Mädchenpensionat Ulmengrund als Waise. Sie sieht sehr gut aus und steht gerne im Mittelpunkt. Besonders gerne aber erzählt sie Geschichten von angeblichen Eltern, die in Afrika den Einheimischen helfen. Ihr größter Wunsch ist es ebenfalls dorthin zu reisen. Außerdem ist sie tief beeindruckt von Hitler, mehr als ihre Freundinnen.
Ihre Erzieherin Fräulein Knesebeck arbeitet in eben jenem Heim, hat allerdings oft Probleme mit der Leiterin Frau Misera. Sie ist weniger streng als andere Erzieherinnen, kümmert sich gerne um die Mädchen und bemüht sich um einen teilweise freundschaftlichen Umgang mit ihnen. Sie bemerkt ebenfalls Renis Schönheit, kann sie aber auch sonst in vielen Situationen sehr gut einschätzen. Richtig brenzlig wird es für sie in Ulmengrund, als ein Mädchen verschwindet und völlig verwirrt wieder auftaucht.
Jockel wiederum ist nur der Sohn eines Knechtes, hat ein sehr schweres Leben. Sein Traum ist es, irgendwann Pilot zu werden. Allerdings ist sein Vater sehr streng, verprügelt ihn und seinen älteren Bruder ständig. Als die Mädchen von Ulmengrund eines Tages auf dem Feld helfen, begegnet er Reni und verliebt sich in sie.

Alle drei erleben auf ihre Art das Fruchten des Nazionalsozialismus. Reni gelangt durch ihre Aufgabe, Hitler Blumen zu übergeben, und durch ihre Familie in gehobene Schichten. Sie trifft auf wichtige und bekannte Persönlichkeiten der damaligen Zeit. Aber sie ist verliebt, für sie sind gesellschaftliche Schichten noch nicht viel wert und Lügen ihre Stärke, weshalb sie noch nach Jockel sucht, der auf Grund bestimmter Ereignisse zum Flüchtling wird. Fräulein Knesebeck scheint überall zu sein, besonders aber bei Menschen, die nicht die beste Haltung gegenüber Hitler einnehmen.

Man merkt sehr schnell, dass es sich hier um ein Kinderbuch handelt. Zeitlich spielt die zwar Geschichte bereits im Nazionalsozialismus, allerdings scheint dieser noch nicht sehr weit fortgeschritten, beziehungsweise zeigt es sich nicht offensichtlich. In dem Buch wird auch nicht mit Themen wie Judenfeindlichkeit gehandelt, sondern mit der Gesellschaft, die hier von einem Grafen bis zum Knecht alles aufweist. So ist zum Beispiel in Ulmengrund noch kein spezielles nationalsozialistisches Erziehungssystem eingeführt. Das Verschwinden von Menschen wird nur kurz am Rande aufgegriffen, aber nicht großartig erläutert. Außerdem wird vieles aus der Sicht von Kindern erzählt, zumindest Reni kommt einem aus heutiger Sicht sehr kindlich und naiv für ihr Alter vor. Für die damalige Zeit gibt es einne großen Gegensatz zwischen ihrer Anbetung Hitlers und dem Wunsch, sich für die Einwohner Afrika einzusetzen.

Die Geschichte an sich ist durch die leichte altergerechte Schreibweise schnell zu verstehen. Trotzdem gibt es einige Unstimmigkeiten, zum Beispiel in der zeitlichen Abfolge. Die Bedeutung einiger Szenen in dem Buch ist mir leider auch nicht aufgegangen. Sie sprechen zum Beispiel das rätselhafte Verschwinden einiger Menschen an, was durchaus interessant zu verfolgen wäre, allerdings wird darauf überhaupt nicht darauf eingegangen.
Desweiteren fand ich den Inhalt insgesamt sehr unspektakulär. Ich habe auch keine versteckte Botschaft und einen Denkanreiz in dem Buch gefunden.

Fazit: Insgesamt hat mich das Buch etwas enttäuscht. Der Sinn der Geschichte ist mir nicht klar geworden. Wer sich für die Gesellschaft zu Beginn des Nazionalsozialismus interessiert, der könnte eventuell etwas damit anfangen.

Originaltitel: Blumen für den Führer
Autor: Jürgen Seidel
Verlag: cbj (randomhouse)
weitere Ausgaben: Taschenbuch (12.März 2012)

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