Inhalt: Jean-Baptitste Grenouille wird mit einem außergewöhnlichen Geruchssinn in Paris geboren. Seine Mutter wird getötet nach dem Versuch, ihn sterben zu lassen. Jahre verbringt Grenouille in Paris, als Zögling von Madame Gaillard, in einer Gerberei und schließlich bei dem Parfumeur Baldini, dem er zu unerhofftem Ruhm verhilft. Doch er selbst weiß nicht, was er mit seiner Gabe anfagen soll. Und zudem kennt er nicht einmal seinen eigenen Geruch.

Meine Meinung: Jean-Baptiste Grenouille ist wahrlich kein typischer Protagonist. Seine Geburt unter einem Schlachttisch für Fische und die miese Umgebung in Paris sind weniger mitleidserregend, als dass sie Grenouille zu einem Menschen aus schlechten Verhältnissen mit einem folglich schlechten Charakter machen. Dieser Charakter ist aber nur insofern schlecht, als dass er sich nicht um Menschen kümmert. Gerüche sind mehr seine Freunde und Verbündete, als es Menschen je sein könnten. Und eben dieses führt dazu, dass jene unter dem zu Leiden haben, was Grenouille tut, auch wenn er sie nur unabsichtlich verletzt.

Es scheint so, als würde das Schicksal Grenouille immer begleiten und die Menschen bestrafen, denen er begegnet ist. Aber auch diese Nebenfiguren sind keineswegs sympatisch. Oft nutzen sie die Anwesenheit Grenoilles nur aus. Madame Gaillard bekommt Geld, um ihn als Jungen aufzuziehen; in der Gerberei arbeitet er unter schlechtesten Bedingungen hart, ohne sich zu beschweren und Baldini nutzt seinen Geruchssinn, um ihn Düfte herzustellen, die ihn im ganzen Land bekannt machen. Grenouille beschwert sich nicht. Geld spielt für ihn keine Rolle und mit einem anderen Menschen sprechen, tut er nur äußerst selten.

Beziehungen sind in diesem Buch fehl am Platz, bzw. Beziehungen, die von Wärme erfüllt sind. Es geht um das gegenseitige Ausnutzen, Zweckgemeinschaften. Grenouille zum Beispiel verschafft sich Zugang zu Parfumerien, zu deren Vorteil, entwickelt dort dann Gerüche, mit denen er es schafft, die Menschen zu manipulieren und seine Erscheinung für andere durch Düfte zu verändern.

Der Leser bleibt während des Buches sehr auf Distanz, möchte eigentlich nicht richtig in die Geschichte hineingesogen werden. Dafür sorgen die Beschreibungen des Paris des 18. Jahrhundert, die düstere Stimmung, die fortwährend herrscht und natürlich die Personen. Aber auch immer klingen die Abgründe menschlichen Schaffens an, besonders das Ende verschreckt in diesem Sinne. Trotzdem bewirkt das Buch das Bedürfnis, weiterzulesen. Dafür ist die Thematik sehr speziell und einzigartig gewählt, ansonsten überzeugt auch die Sprache.
Selten kommt es zu einem Dialog, ganz im Sinne Grenouilles. Die Geschichte lebt von den Beschreibungen. Dazu gehören auch Sprünge in der Geschichte. Zumindest ein manchmal schnellerer Fortlauf, manchmal detaillierte Umgebungsaufnahmen.

Fazit: Insgesamt ist es ein empfehlenswertes Buch, das den Leser abstößt und anzieht und ihn in die Welt der Düfte führt.
Am besten aber nicht mit einem Schnupfen lesen!

Originaltitel: Das Parfum
Autor: Patrick Süskind
Verlag: Diogenes

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