Originaltitel: The Good Man Jesus and the Scoundrel Christ
Autor: Philip Pullman
Verlag: S. Fischer Verlage
ISBN: 978-3100590312
Seiten: 240
Datum: Februar 2011
Extra: Leseprobe

Inhalt: Jesus und Christus kommen als Zwillinge zur Welt in einem Stall in Bethlehem. Maria wurde von einem Engel ein Sohn prophezeit. Den Hirte wird er als Messias verkündet. Doch welcher von beiden es ist, das bleibt ungewiss. Mit den Jahren entwickeln sie sich zu Brüdern, die beiden zu etwas Höherem berufen sind, und doch ihren ganz eigenen Weg gehen und so die wohl bekannteste Geschichte der Welt erzählen.

Meine Meinung:
Man sollte bei diesem Buch keine Komödie über das Neue Testament erwarten. Stattdessen erzählt der Autor eine ernste Geschichte, die durchaus so hätte stattfinden können. Tatsächlich liegt das Buch eng an der Bibel, nur dass es Jesus und Christus zwei Personen sind.
Meistens wird die Geschichte aus Christus Sicht erzählt. Die Geschichte beginnt mit der Geburt des Johannes, dem Empfängnis der Maria, der Volkszählung und schließlich der Geburt. Man merkt bereits dort den Unterschied zwischen den beiden Brüdern: Jesus ist kräftig und gesund, Christus eher kleine, kränklich. Maria widmet sich eher dem Letzteren, weil er mehr Zuneigung braucht. Sie stellt ihn den Hirten als Messias vor, nicht Jesus.
Und so wachsen beide auf: Jesus fröhlich und spielend, Christus am Rockzipfel seiner Mutter und doch schon sehr gewissenhaft. Mit der Zeit entwickeln sie sich immer mehr in verschiedene Richtungen.

Jesus wird der Prediger und Messias, der durchs Land zieht und Wunder vollbringt, so wie es auch in der Bibel steht. Von bekannten Gleichnissen und Taten wird auch in diesem Buch berichtet.
Christus aber beobachtet alles aus der Heimat. Immer wieder trifft er auf einen geheimnisvollen Fremden, der ihn bittet, Jesus Taten aufzuschreiben. Christus bekommt eine eigene Mission, hält sich dabei aber stets im Hintergrund. Und dabei verändert er die Geschichte, wie der Fremde es ihm sagt.

„Es gibt die Zeit, und es gibt das, was jenseits der Zeit ist. Die historische Wirklichkeit gehört in den Bereich der Zeit, aber die Wahrheit gehört in den Bereich jenseits der Zeit. Indem du die Dinge so aufschreibst, wie sie hätten sein müssen, fügst du zu den historischen Fakten die Wahrheit hinzu. Du bist das Wort Gottes.“ (S.93)

Zwischendurch merkt man, wenn man wenigstens etwas über das Neue Testament weiß, die Unterschiede, wie es „wirklich“ geschehen ist, und wie Christus etwas verändert hat. Zwingend notwendig sind diese Kenntnisse wahrscheinlich nicht, aber damit wird die Geschichte noch etwas reizvoller.
Teilweise vermittelt das Buch dadurch eine andere Sicht auf den Glauben. Jesus und Christus Ansichten sind unterschiedlich und doch ganz ähnlich. Es geht manchmal um die Fundamente der christlichen Religion und um extentielle Fragen. In diesem Sinne bietet das Buch doch einige Reize.

Wie nahe die Geschichte zur Bibel steht, erkennt man auch an der Wortwahl. Sie klingt sehr nach dem ursprünglichen Bibeltext, bis auf die Gespräche zwischen dem Fremden und Christus. Trotzdem lässt sich das Buch leicht lesen, wenn man, wie ich, bereits über die vielen Gleichnisse und Worte Jesu geredet hat und sich etwas auskennt. Sonst könnte man vielleicht an einigen Stellen stocken und durch diese religiösen Ansichten Denkanstöße bekommen.

Fazit: Ein Buch, dass sich auf eine neue und auch ernste Art mit dem christlichen Glauben auseinandersetzt. Je nachdem in wie weit man sich mit dem Thema einlassen will, ist es mehr oder weniger empfehlenswert. Ob es auch für Menschen interessant ist, die keine Vorwissen zum Neuen Testament haben, kann ich leider nicht beurteilen.

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