Originaltitel: Numbers
Reihe: Numbers
Autorin: Rachel Ward
Verlag: Chicken House (Carlsen)
ISBN: 978-3551520074
Seiten: 368
Datum: April 2010
Extra: Leseprobe

Inhalt: Wenn Jem jemandem in die Augen blickt, dann sieht sie sein Todesdatum. Doch das ist unveränderlich. Sie kann sich niemandem anvertrauen und wird zur Einzelgängerin. Bis sie auf Spinne trifft, der nur noch einige Wochen zu leben hat. Und wird auf einmal zu einer Terrorverdächtigen und muss mit Spinne fliehen.

Meine Meinung: Protagonistin Jem ist eine Einzelgängerin. Seit sie ihre Mutter an einer Überdosis sterben sah, weiß sie, was es mit den Zahlen auf sich hat, die sie in den Augen der Menschen sieht. Außerdem wird sie seitdem von einer Pflegefamilie zur nächsten geschoben. Jem ist keineswegs glücklich, will sich aber auch keinem Menschen öffnen. Sie ist ein verschlossenes Mädchen, dass in London aufwächst und sehr pessimistisch wirkt.

‚Nichts ergibt einen Sinn. Nichts bedeutet was. Du wirst geboren, du lebst und du stirbst. Das ist alles.‘ Meine Philosophie, kurz zusammengefasst. (S. 219)

Doch irgendwann trifft sie Spinne, einen riesigen dunklen Jungen, der mit ihr zur Schule geht. Und obwohl sein dauerhaft penetranter Geruch Jem abstößt, lässt sie sich doch auf ihn ein. Gleichzeitig erfährt sie aber sein Todesdatum und je mehr sie sich anfreunden, desto mehr möchte sie seinen Tod verhindern. Das führt immer wieder zu Selbstzweifeln ihrerseits.
Dann verdächtigt man die beiden, das London Eye in die Luft gesprengt zu haben und Jem und Spinne fliehen mit gestohlenen Autos und zu Fuß aus der Stadt. Hier stößt ein Leser vom Land auf gewaltige Verwirrung und Unverständnis. Die beiden Jugendlichen sind das Sinnbild einer in der Stadt aufgewachsenen Generation und haben zum Beispiel noch nie eine echte Kuh gesehen, typische Klischees, die wenig originell erscheinen. So scheint die Geschichte hier unbeabsichtigt komisch und auch etwas lächerlich.

Da die Protagonisten nun einmal Jugendliche unterschiedlichen Geschlechts sind, kann das Buch nicht ohne einen Spritzer Liebe auskommen. Tatsächlich meidet Jem zuerst jegliche Freundschaft, will von Spinne keine Komplimente bekommen. Diese Entwicklung, die sie in relativ kurzer Zeit durchlebt, macht sie allerdings später doch empfänglich für eine intimere Beziehung zu Spinne.

Ein Highlight des Buches ist auf jeden Fall Spinnes Oma Val, die von Anfang an ahnt, dass mit Jem etwas nicht stimmt. Sie ist äußerst sympatisch, auch wenn sie nur eine relativ kleine Nebenrolle einnimmt. Ansonsten kommen kaum weitere erwähnenswerte Personen vor. Karen, Jems derzeitige Pflegemutter, hat ebenfalls nicht mehr lange zu leben. Baz ist ein Dealer, dem Spinne Geld klaut und dessen böse Absichten nicht spektakulär verfolgt werde. Das Buch lebt also eher von den beiden, nicht immer sympatischen Hautpfiguren und Jems stille Auseinandersetzung mit ihrer Fähigkeit. Im Endeffekt entlädt sich ihr Angestautes in einer Botschaft, die für einen Jugendlichen wie Jem ungewöhnlich, für den Leser aber am Ende sehr nachvollziehbar ist.

Anfangs ist das Buch ungewohnt und nicht leicht zu lesen. Jem hat als Jugendliche eine sehr drastische Ausdrucksweise, die den Leser vor den Kopf stößt. Sie ist Ich-Erzählerin, wendet sich manchmal auch mit einem „du“ an den Leser, anstatt eines „man“. Mit der Zeit gewöhnt man sich an ihre Sprache und dann lässt sich die Geschichte im Sinne eines Jugendbuches leicht lesen und nachvollziehen.

Fazit: Das Buch hat einige Schwächen, auf Grund jugendlicher Stereotypen als Protagonisten, umso überraschender ist es, dass die Geschichte noch eine Nachricht hervorbringt, die Eindruck beim Leser erzeugt. Deshalb darf man Numbers gerne zur Hand nehmen.

Empfehlenswert:

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