Ich bedanke mich schonmal bei einer Büchertreff-Userin, die mich auf diese Geschichte aufmerksam gemacht hat.

Die Bloggerin Myriel (buecherzeit.wordpress.com) veröffentlichte eine Rezension zu John Ashts „Twin Pryx – Zwillingsbrut„, nachdem sie gut 90 Seiten des Buches gelesen und danach aufgegeben hatte, was sie folgendermaßen vermerkte:

Bei meinem ersten Versuch mit diesem Buch habe ich es nicht mal bis Seite 30 geschafft, beim zweiten Anlauf immerhin bis Seite 90. Einen Dritten wird es nicht geben. Denn auf diesen Seiten sind mir schon so viele Dinge aufgefallen und haben mir quer im Magen gelegen, so dass ich gar nicht erst wissen möchte, wie es weiter geht.

Ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass ich ihren Artikel nicht unbedingt als Rezension ansehen würde, sie hätte ihn vielleicht irgendwie anders bennen können, aber das soll nicht davon ablenken, wie der Autor auf diese negative Kritik reagierte.

Gut einen Monat nach Kundgebung ihrer Meinung, bekam Myriel einen Kommentar des Autors höchstpersönlich, dem, ich zitiere, „eine solch‘ unqualifizierte Pseudo-Rezi“ natürlich nicht gefiel und schloss eine Drohung an: „außerdem werde ich „Myriel“ und „Bücherzeit“ von meinem Rechtsanwalt gerichtlich ahnden lassen„.  Zu allem Überfluss mischte sich auch noch seine Agentin ein, die von „Veriss“ sprach und sagt, sie „werde […] den Börsenverein des Deutschen Buchhandels informieren, dass [Myriel] auf launische Weise Literaturkritiken veröffentlichen“ würde.
Herr Asht versuchte, nach einer Stellungnahme der Bloggerin, in der sie sich auf ihre Meinungsfreiheit berief, auch weiterhin hartnäckig, seinen Ruf auf seinem Blog zu ruinieren. Dort wird man zuerst einmal so empfangen:

Seid gegrüßt, liebe Freunde und Fans – aber auch ihr erbarmungslosen Kritiker und Feinde. Schauet rein und lobet mich, oder schießet mich auf’n Mond – möget und schätzet meine Werke oder bindet mich auf den Scheiterhaufen. Hauptsache: Fair! Egal wie, ich werde mein Haupt neigen vor euch … mitunter, um besser zu sehen auf welch‘ Schusters Rappen ihr denn so daher kommt. Willkommen! Schau rein und urteile fein – oder lies und schieß!

Angeblich ist der Mann also kritikfähig, meint er zumindest. Über die Meinungsfreiheit, auf die sich Myriel beruft, schrieb er selbst in seinem Artikel „WIESO?“ folgendes:

Denn am Anfang ist das offene Wort aus freiem Gedanken. 

Das klingt alles sehr löblich, bis man schließlich auf den Artikel stößt, der sich auf diese Bloggerin und ihre Rezension bezieht. Zumindest erkennt das jeder, der die Kommentare dazu gelesen hat. Asht hat das Problem erkannt, das bisher alle, Politik und Gesellschaft, außer Augen gelassen haben: Literatur-Kriminalität im Internet! Und ein Beispiel für diese „billigen Lästermäuler„, die die Literatur ausnutzen, weil es für sie ein „lukratives Geschäft“ ist, hat er auch gleich parat:

So geschehen voriges Jahr auf der Leipziger Buchmesse: Da kommt die gescheiterte Studienhopperin an den Bücherstand des Verlages und will ihr Manuskript verkaufen: Bagatellliteratur, wie sie einem Verleger 500 mal am Tag angeboten wird […]. Der Verkauf scheitert – die enttäuschte Anbieterin sieht keinen Groschen und schwört heimlich Rache.

Also kapert sie sich einen Bookcrosser und schickt ihn zum Betteln an den besagten Bücherstand, wo dieser vom Verleger einige Exemplare von Neuerscheinungen abschnorrt. Die Anstifterin selber aber schnappt sich gleich das erstbeste Exemplar und fährt die zweite Schiene zum Geld aus […] Und nun wartet sie, still hoffend, wenigstens aus dieser Richtung Bares vom Verlag sehen zu bekommen – damit es eben eine positive Rezension werde. Aber da kommt nix.

Die Schlaue blockiert das Bookcrossing-Exemplar bei sich und wartet trotzdem noch ein geschlagenes halbes Jahr – vergeblich. Kurz vor Weihnachten legt sie dann los, denn es ist ja Almosenzeit, und jeder will nur noch seinen Frieden: Sie liest drei Seiten, überfliegt die nächsten 30 und stellt dann anhand des Klappentextes eine derart gehässige Kritik ins Netz, dass es jeden potentiellen Leser abschreckt, dieses Buch jemals zu kaufen.

Leider ist niemandem, der einen Kommentar zu der Rezension von Myriel abgegeben hat, bekannt, wer denn diese „Lady Oberschlau“ sein soll. Die Bloggerin selbst hat nämlich kein Buch geschrieben, aber vielleicht steht dieser Bericht auch nur für eine ganze Generation von Literatur-Zerstörern, die „unter einem postpubertären Syndrom leiden„.

Natürlich hat Asht durch diese negative Kritik nur befürchtet, zahlreiche Leser zu verlieren, die auf Grund der Meinung einer Bloggerin von dem Buch abgeschreckt werden könnten. Dass jetzt eine breite Bloggergemeinde auf diesen Fall aufmerksam gemacht wurde und verständlicherweise nicht auf der Seite des Autors stehen, hat er allerdings nicht bedacht. Aber vielleicht macht er sich auch nur zu viele Gedanken über die „Emantipation“ (korrekt zitiert: Frauenquote?) und sonstige Missstände, die der Gesellschaft Schaden zufügen.

Aktualisierung:
Es lohnt sich, auch zukünftig den Blog des Autors aufzusuchen. Erst heute hat er ein Logbuch begonnen und angeblich 742 schlechte Rezensionen zu seinem Buch gefunden, die allesamt ausschließlich auf dem Klappentext des Buches beruhen. Er hat bestimmt lange daran gesessen, um die alle durchzulesen.

Ich weiß nicht genau, ob das tatsächlich eine Reaktion darauf durch den Verlag war, oder bereits vorher zu den Grundsätzen gehörte. Aber vielleicht ist es doch nicht uninteressant, ein Zitat der Facebook-Seite wiederzugeben:

Bei kontraproduktivem und projektschädigendem Verhalten des Autors , trägt dieser die verursachten Unkosten.

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