Inhalt: Im zukünftigen Amerika ist das Land in 12 Distrikte unterteilt, die von dem Kapitol beherrscht werden. Zur Erinnerung an die Aufstände vor fast 75 Jahren, bei dem Distrikt 13 dem Erdboben gleichgemacht wurde, werden jedes Jahr die sogenannten Hungerspiele veranstaltet. Aus jedem Distrikt werden je ein Junge und ein Mädchen ausgewählt, die allesamt in einer Arena Teil eines Kampfes auf Leben und Tod werden. Und es kann nur einen Sieger geben. Als Katniss‘ kleine Schwester Prim ausgewählt wird, meldet sie sich freiwillig…

Meine Meinung: Einen Leser der Bücher erwartet im Film nichts Neues, man hat sich erstaunlich nah an der Vorlage orientiert, wenn auch einiges gekürzt wurde. Wie im Buch wird fast die Hälfte des Filmes mit den Ereignissen vor den Hungerspielen gefüllt. Katniss verbotene Streifzüge außerhalb des Geländes, ihre Freundschaft zu Gale werden zwar dargestellt und der Tod des Vaters sind Teil der Handlung, werden aber nur nebensächlich erwähnt und nicht so sehr ausgebaut, wie im Buch. Stattdessen wird in Prim die Angst vor dem Schicksal der Tibute sehr stark verkörpert.
Der Auftritt der Effie Trinket macht den Unterschied zwischen dem grauen und armen Distrikt und dem bunten und fröhlichen Kapitol deutlich, wo Geschmacksverirrung anscheinend eine ansteckende Krankheit ist. Ihre Kostüme, genauso wie die ihrer Mitbewohner, sind meiner Meinung nach unbeschreiblich, wohl am ehsten mit einem Kanarienvogel vergleichbar. Leider bleibt aber genau diese Effie Trinket sehr blass. Dagegen wirkt der Alkoholiker und Mentor der Tribute aus Distrikt 12, Haymitch, etwas presenter; mal kann man ihn nur hassen, mal würde man ihm zu Füßen liegen. Am sympatischsten wirkt allerdings Cinna, Katniss‘ Stylist, der nur durch goldenen Lidschatten seine Zugehörigkeit zum Kapitol deutlich macht.
Der zweite Tribut, Peeta, wurde leider vollkommen fehlbesetzt. Von Anfang an macht er den Eindruck eines kleinen verschreckten Kindes, was in Anbetracht seiner Situation durchaus angemessen ist. Allerdings verschwindet dieser Eindruck nicht mehr und Szenen, in denen er ernst und erwachsenen wirken soll, verlieren jegliche Wirkung. Während Katniss besonders gut mit dem Bogen umgehen kann, ist Peetas Stärke tatsächlich seine Stärke, was man in Anbetracht seines Aussehen ihm nicht abnehmen kann.

Die zweite Hälfte spielt sich nicht ausschließlich in der Arena ab. Ab und an wird zum Beispiel Haymitch, der Mentor der Tribute aus Distrikt 12, gezeigt oder aber auch ihre Heimat und die Reaktion der Zuschauer, einmal auch Katniss‘ Familie, die sehr verhalten und gleichgültig wirkt. Das sorgt für Abwechslung, unterbricht aber auch die Atmosphäre, die die Arena schafft: ein normaler Wald, der nichts Außergewöhnliches zu bieten und trotzdem immer einen bedrohlichen Unterton hat. Das einzige, was ich daran auszusetzen habe, war das sogenannte „Füllhorn“ am Startpunkt, dass eher moderne Kunst verkörpert, als den Mittelpunkt eines tödlichen Kampfes auszumachen.

Der Film ist freigegeben ab 12 und mit Erwachsenen ist es sogar möglich, sechs Jahre alten Kindern den Film zu zeigen. Die Protagonisten sind zwar Jugendliche, teilweise Kinder, aber die Gewalt in die man sie hineinzwingt, dürften sie eigentlich nicht mitbekommen. Die Produzenten haben nicht auf den Einsatz von reichlich Blut und dem Darstellen des Mordes von Kindern an Kindern verzichtet. Gewalt zieht auch immer Trauer mit sich, was Katniss zu spüren bekommt. Weiteres zentrales Thema wird die Liebesgeschichte der Protagonisten, die relativ verhalten eingesetzt wird, sodass es nicht überzogen wirkt, was zu der Geschichte passt.

Ein großes Manko des Filmes ist die Kameraführung. Fast alles ist etwas verwackelt, zu den Szenen im Wald, die oftmals eine Verfolgungsjagd zeigen, passt es. Aber es stört auf die Dauer sehr, besonders Kampfszenen stellen nur noch ein Gewirr aus Menschen dar, ohne, dass man Einzelheiten erkennen könnte.

Fazit: Insgesamt gefällt mir der Film, auch wenn es das ein oder andere zu bemängeln gibt, wobei besonders die Darstellung von Peeta ins Gewicht fällt. Ich würde allerdings empfehlen, zuerst das Buch zu lesen, damit man die Handlung vollständig versteht.

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