Originaltitel: The Murder of the Century
Autor:
Paul Collins
Verlag:
Irisiana
ISBN: 978-3424151220
Seiten: 448
Datum: 2012

Extra: 
Leseprobe

Inhalt: Ende des 19. Jahrhunderts werden in New York  Päckchen gefunden, deren Inhalt die gesamte Stadt aufrüttelt: Leichenteile, die offensichtlich von dem gleichen Mann stammen. Doch der Kopf fehlt und so beginnt die Jagd auf die mysteriöse Identität und den Mörder – angeführt von den örtlichen Zeitungsverlagen. Und bald schon findet zwischen den Zeilen New Yorks ein regelrechter Krieg statt.

Meine Meinung: Es geht in diesem Buch um einen wahren Fall, der anhand des Zeitungswesen Ende des Jahrhunderts aufgerollt wird und besonderen Wert auf den Wettkampf zwischen Joseph Pulitzer und William Randolph Hearst legt. Nicht selten wird der Eindruck einer planlosen Polizei vermittelt, weshalb nur der Einsatz der Journalistenscharen die Ermittlungen vorrantreibt. Die Abläufe eines Zeitungswesens zu beobachten, was einem Menschen aus dem 21. Jahrhundert vollkommen fremd ist, vielleicht aber doch nicht. Verdrehte Fakten, um unter anderem die Konkurrenz auszustechen, sind keine Seltenheit.

Der Fall an sich wird in fünf Teile aufgeteilt und im Prinzip ganz interessant gestaltet. Zuerst muss Das Opfer identifiziert werden, was sich in Zeiten ohne DNA-Abgleich sehr schwer ist und nur durch Recherche, besonders durch die Laufburschen der Zeitungmogulen, zu Die Verdächtigen führt. Auf Die Anklage folgt Der Prozess, der sich vor allem durch die Auswahl der Geschworenen verzögert, und abschließend gibt es Das Urteil und dessen Vollstreckung.  Nachvollziehbar ist diese Aufteilung, aber sie nimmt die Entwicklung des gesamten Buches etwas vorweg und somit bieten sich kaum überraschende Wendungen.

Das Flair der Zeit wird sehr gut eingefangen. Als Leser kann man sich hineinversetzen, auch wenn man etwas vollkommen anderes gewohnt ist, kein New York mit kleinen Wäldern und Wiesen und einem Brooklyn, das genau dies verkörpert. Es werden Probleme angesprochen, an die wir heute keinen Gedanken verschwenden würden. Besonders durch die vielen Perspektive, die der Autor einfängt und im Buch verarbeitet, bietet eine gesellschaftliche Bandbreite and Eindrücken, wobei man sich allerdings mit keinem besonders lange aufhält. Zudem wird sehr neutral erzählt, denn das Werk stützt sich auf viele Quellen, die  keine hundertprozentig sachliche Berichterstattung zulassen, aber auch keine Person zum objektiven Erzähler küren können. Der Autor hat sich sogar so sehr von seiner Recherche leiten lassen, dass er fast vollständig auf wörtliche Rede verzichtet und solche nur einsetzt, wenn sie zitiert ist, was die Geschichte an einigen Stellen sehr flach wirken lässt.

Fazit: Ich mag das Buch, auch der Fall interessiert mich persönlich. Aber die Art der Aufarbeitung konnte mich nicht immer überzeugen, schließlich ist es auch kein normaler Krimi. Wer Interesse am damaligen Zeitgeschehen hat, sollte aber einen Blick riskieren.

Kleiner Tipp: Den Schutzumschlag sollte man erst nach dem Lesen entfernen. Auf dem Buch sind nämlich Zeitungsausschnitte aus dem gesamten Fall abgebildet und verraten bereits das Ende.

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