Originaltitel: La Maison
Reihe: Méto
Autor:
Yves Grevet
Verlag:
Dtv
ISBN: 978-3423625142
Seiten: 224
Datum: April 2012
Extra:
Trailer, Leseprobe

Inhalt: Irgendwann ist Méto in das Haus auf der Insel gekommen und in wenigen Monaten wird er es verlassen müssen. Doch weder weiß er, woher er kommt, noch wohin er gehen wird. Das zählt im Haus nicht. Hier gelten strenge Regeln, ein geregelter Tagesablauf und harte Strafen. Aber Méto wünscht sich etwas, was er dort niemals bekommen kann: Antworten…

Meine Meinung:
Méto ist ein Roter, einer der Ältesten der 64 Jungen, die Tag und Nacht miteinander verbringen. Sie werden ständig von den Cäsaren überwacht, die allesamt fast identisch aussehen und streng gegen jeden Regelverstoß vorgehen. Die Jungen fügen sich, denn sie fürchten die Strafen, besonders den Kühlraum.
Nachdem Quintus verschwunden ist, kommt mit Crassus ein neuer Hellblauer in das Haus und Méto muss ihn einen Monat einführen. Schnell bekommt man einen Überblick seltsame Essvorschriften, Unterrichtsinhalte und sportliche Aktivitäten, deren Sinn von Méto an einigen Stellen in Frage gestellt werden. Er lässt sich nicht so schnell von den Cäsaren abwimmeln und setzt sich für andere ein, auch wenn er von Crassus und dessen rätselhaften Träumen nicht begeistert ist. Trotzdem fügt er sich in den Alltag und versucht, sich vorbildlich zu verhalten.

Das Buch thematisiert Freundschaften und eine scheinbar heile Welt, denn alles im Leben der Jungen ist geplant und organisiert. Sie bekommen genügend Essen, müssen keine Hausarbeit erledigen und so leben sie in einem erzwungenem Frieden. Der Ausgleich dafür ist umso brutaler: Die Jungen spielen mit Leidenschaft „Inch“, ein Spiel, das sie nur durch Gewalt und Strategie gewinnen können. Und so bleibt es nicht bei blauen Flecken und Kratzspuren. Es gibt auch Todesopfer, aber es scheint für niemanden ein Grund, dem Spiel fernzubleiben.
Trotz ausführlicher Beschreibung habe ich persönlich nicht genau verstanden, wie es zu den zahlreichen Verletzungen trotz intensivem Körpereinsatz kommt. An mehreren Stellen im Buch ist etwas nicht nachvollziehbar. Dazu wird etwas Potential verspielt, weil einiges aus dem merkwürdigen Leben Métos nur erwähnt, nicht aber aufgegriffen wird.

Sprachlich gesehen hält sich das Buch auf niedrigem Niveau, denn die Geschichte wird von dem Protagonisten selbst in der Gegenwart erzählt. Da seine Erinnerungen nur bis zur Ankunft im Haus reichen und in der Schulzeit nur wenig unterrichtet wird, hält sich sein Wortschatz in Grenzen. So kommt es zu Situationen, die dem Leser unbegreiflich erscheinen, aber für Méto, der niemanden außer den anderen Jungen und den Cäsaren zu Gesicht bekommt, vollkommen nachvollziehbar sind:

Er spricht von einem Gegenstand, den er „Mama“ nennt. Er weiß zwar nicht mehr genau, wie dieser Gegenstand aussieht. Aber das Wort kann er nicht vergessen. Er ist sich sicher, dass zwischen dem Wort und dem Augenblick des Zubettgehens eine Verbindung und dass der Gegenstand warm und weich ist. Er glaubt, „Mama“ sei vielleicht eine andere Bezeichnung für ein Kissen oder eine Decke. (S. 81-82)

Solche Abschnitte rufen eine Unverständlichkeit hervor und die Frage, was mit diesen Kindern geschehen ist. Es gibt im Verlauf der Geschichte beschriebene Szenarien, die den Leser Vermutungen anstellen lassen, die für Méto aber noch nicht greifbar sind. So bleibt man in Ungewissheit über das Leben der Jungen bis auf den Zeitraum, in dem sie sich im Haus wiederfinden. Mit Méto zusammen wünscht sich der Leser eine Menge Antworten. Wer ist zum Beispiel Romu, der Junge aus dem Kühlraum? Wieso tragen alle antike römische Namen? Was befindet sich außerhalb des Hauses und jenseits der Insel?

So endet das erste Buch der Trilogie um den Jungen Méto mit einem bösen Cliffhanger, obwohl man das Gefühl hat, die Geschichte habe gerade erst bekommen. Tatsächlich ist die erste Hälfte fast ausschließlich eine Beschreibung der Eigenarten des Hauses und richtig spannend im Sinne von Action wird erst das letzte Drittel. Dennoch wirkt es faszinierend und liest sich flüssig und schnell.

Fazit: Trotz einiger Schwächen ist es ein gelungener Auftakt, denn für Band 2 ist ausreichend Potential und „Das Haus“ gibt beste Vorraussetzungen für mehr Spannung in Die Insel. Dank weniger brutaler Szenen ist das Buch eher als Jugendbuch zu bezeichnen und nicht für jüngere Kinder geeignet.

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