Originaltitel: Der Tod kommt selten allein
Reihe: Smalltown Girls
Autor: Josephine Mint
Verlag: Beltz & Gelberg
ISBN: 978-3407811066
Extra: Buchtrailer, Leseprobe

Inhalt: Lu und Charlie sind schon immer beste Freundinnen, zumindest kommt es ihnen so vor. Sie gehen gemeinsam zur Schule, machen zusammen Musik und geben sich gegenseitig Halt als Lus Bruder Jakob bei einem selbstverschuldeten Autounfall stirbt. Lus Familie scheint daran zu zerbrechen, während Charlie sich an einen Traum erinnert, von dem Jakob ihr erzählt hatte, ein Traum, in dem er nach einem Alkoholexzess einen tödlichen Unfall hat. Hat er seinen eigenen Tod vorhergesehen? Lu ist skeptisch, aber dann hat sie selbst einen solchen Traum, den gleichen wie Charlie und Sunshine. Ist es eine Prophezeihung? Werden die drei bald sterben?

Meine Meinung: Es beginnt mit Jakobs Tod, der Protagonistin Charlie die Idee von einer Prophezeihung in den Kopf setzt. Lu ist weniger begeistert, auch wenn die beiden sonst meistens einer Meinung sind; hakt das Thema ab und versucht stattdessen, mit dem Tod des Bruders zu leben. Charlie beobachtet, wie sich die Familie ihrer besten Freundin verändert hat und Lu dennoch in die Normalität zurückkehrt, wo sich beide mit den Problemen 16jähriger Mädchen konfrontiert sehen.
Allen vorran wird das Thema Liebe aufgegriffen in Form von anfänglichen Schwärmereien Charlies für den älteren Linus, die nach wenigen Seiten und ohne große Dramatik bereits in einer Beziehung enden. Indirekt ist diese dann verantwortlich für ein Zerwürfnis zwischen den beiden Freundinnen, was zwischenzeitlich zu einem regelrechten Zickenkrieg ausufert, und im ganzen Buch die Thematik der Prophezeihung überschattet. Schließlich haben die drei Mädchen – Lu, Charlie und die neue, schwarz gekleidete und mit Piercings übersäte Sunshine – den gleichen, sehr real wirkenden Traum nur aus anderen Perspektiven. Doch die ganze Sache findet fast ausschließlich Anklang in Charlies Gedanken, denn die anderen sind wenig überzeugt und so bleibt das Buch in Streitereien und Liebesbekennungen stecken.

Es steckt viel Potential in der Grundidee, aber es dauert zu lange, bis es überhaupt zu der besagten Vision kommt und auch wenn sie die Spannung beträchtlich hebt und der Cliffhanger am Ende Lust auf die Fortsetzung macht, bleibt die Geschichte flach und unausgegoren. So ist Linus‘ Familiengeheimnis enttäuschend sensationslos, obwohl vorherige Anspielungen Größeres anpriesen, und gleichzeitig einer seiner beiläufig erwähnten“ Jobs“ nicht thematisiert wird, trotz genug Diskussionspotential. Auch mit den Themen Alkohol und Drogen wird sehr lässig umgegangen, was mir doch unrealistisch erscheint. Außerdem findet die Trauerbewältigung seitens Lus kaum Beachtung und die Erwähnung von Smalltown im Titel wird mir nicht klar, weil es meiner Meinung nach nicht um die speziellen Eigenarten einer Kleinstadt geht und die Geschichte bis zu diesem Zeitpunkt auch in einer Großstadt angesiedelt werden könnte.

Zur Sprache muss ich sagen, dasss mir persönlich das Buch zu sehr in die Jugensprache gefallen ist und somit gut zur flachen Geschichte passt. Nach meinem Geschmack finden Ausdrücke wie krass und hammer zu viel Beachtung und die Benutzung von okaye Familie ist mein sprachlicher Tiefpunkt. Auf Grund der Wortwahl lässt sich das Buch aber schnell lesen und doch muss ich gestehen, dass es einige Lichtblicke gibt, die sich sprachlich und inhaltlich erheblich vom Rest abheben.

Fazit: Ich bin enttäuscht von dem Buch, denn die Idee gibt mehr her, als hier herausgeholt wird. Aber einige Stellen nutzen das Potential aus und lassen auf eine Steigerung im Folgeband hoffen.

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