Originaltitel: The Passage
Deutscher Titel: Der Übergang
Reihe: Passage Trilogy
Autor: Justin Cronin
Verlag: Goldman
ISBN: 978-3442311705
Seiten: 1024
Datum: 2010
Extra: Leseprobe, Buchtrailer

Inhalt: 2014. Nach zahlreichen Terroranschlägen hat sich die Welt verändert. Um die Stellung des Landes zu sichern, wurde ein Geheimprojekt in den USA ins Leben gerufen, in dem zwölf zum Tode verurteilte Straftäter vorsätzlich mit einem Virus infiziert werden und sich in unkontrollierbare Kreaturen verwandeln. Nummer dreizehn soll Amy werden, ein kleines Mädchen, doch irgendetwas ist besonders an ihr. Und sie ist die einzige Hoffnung, als es zur Katastrophe kommt…

Meine Meinung: Ich bin sehr geteilter Meinung, was dieses Buch anbelangt entsprechend dem Handlungsverlauf. Grob kann man es nämlich in drei Teile einteilen, die mir unterschiedlich gut gefallen haben und sich in Zeit und Inhalt unterscheiden.

Die ersten 350 Seiten sind sozusagen die Vorgeschichte für die weiteren Ereignisse des Buches und sind im Jahre 2014 angesiedelt. Es werden auf den ersten Blick zusammenhangslos verschiedene Personen vorgestellt beginnend mit der sechjährigen Amy, einer Nonne und diversen Angehörigen des Geheimprojektes. Neben anhaltender Verwirrung ist es dieses Projekt, das mich im ersten Teil am meisten stört, denn das menschliche Wesen wird hier degradiert und die „Objekte“ werden abfällig als Glühstäbe bezeichnet. Bei den eingeweihten Personen, die durch unsympathische Charakterzüge glänzend, fehlen mir deshalb auch die Gewissensbisse, die mir lieber gewesen wären, als die ach so schlimmen Lebensgeschichten.
Positiv muss ich an diesem Beginn allerdings vermerken, dass zum ersten Mal die Ursache einer düsteren Zukunft beschrieben wird. Moderne Dystopien beginnen meistens bereits Jahrhunderte später in einer veränderten Welt. Trotzdem nimmt der Anfang, wenn er als Prolog dienen soll, zu viel Platz ein und das hauptsächlich auf Grund unnötiger Längen.

Teil zwei spielt nach der angesprochenen Katastrophe, die ich nicht näher beleuchten will, damit anfangs noch etwas Spannung erhalten bleibt. Der Beginn ist im Vergleich hierzu nichts in Sachen Verwirrung, denn es werden zahlreiche Personen vorgestellt, deren Familiengeschichte, persönliche Sorgen, Gewohnheiten, Berufe und Absichten meiner Ansicht nach nicht zu verarbeiten sind. Bis sich daraus die Hauptpersonen kristallisieren, was wieder einige hundert Seiten dauert, ist man bereits untergegangen in der Fülle an Informationen und wenn man wie ich ein solch großes Problem hat, sich Namen zu merken, dann ist man regelrecht verloren.
Hier passiert auch nicht viel mehr, als dass reine Informationen über die Lebenssituation der Menschen gegeben werden. Kleinere Ereignisse gehen fast vollständig unter.

Letztlich bleibt allerdings Teil drei, wenn man sich duch 600 bis 700 Seiten gekämpft hat und dann geht es bergauf. Es ist endlich eine klare Handlung erkennbar, die Personen haben Charakter und werden zunehmend sympatisch. Erst hier konnte ich in die Geschichte eintauchen, denn spannende Wendungen und offene Fragen animieren zum Weiterlesen, und das letzte Drittel in einem Tag bewältigen. Einzig stört mich das „Happy End“-Feeling, das mir in der sonst düsteren und atmosphärisch dichten Stimmung fehl am Platz erscheint, das trotz der extrem hohen Sterblichkeitsrate existiert.

Das Buch beinhaltet zwar normale zwischenmenschliche Beziehungen und eine fantastische Hoffnungsträgerin, aber der Autor spickt sein Werk auch mit Brutalität und blutigen Szenarien, die Albtraumpotential in der beängstigenden Umgebung haben. Es passt natürlich zu der Handlung, allerdings gibt es Szenen zu Beginn, die mich das Buch als „krank“ bezeichnen ließen:

„- denn er erlebte das für ihn völlig neue Gefühl, in zwei Hälften gerissen zu werden.“ (S. 288)

Ansonsten kann man die Kompetenz des Autors, was das sprachliche Niveau anbelangt, nicht anzweifeln. Die detaillierten Beschreibungen schaffen erst die unvergleichliche Atmosphäre, die mich dann auch über einige Logikfehler hinwegsehen lässt und Lust auf die Fortsetzung macht.
Da in diesem Buch nun ein mehr als ergiebiger Prolog gegeben wurde, werden die beiden Folgebände wohl auf dem Niveau des letzten Drittels sein und versprechen erneut Spannung und hoffentlich Antworten auf die vielen Fragezeichen, die zumindest bei mir geblieben sind.

Fazit: Ich bin nicht begeistert von Der Übergang im Gegensatz zu vielen anderen Lesern, aber manchmal ist weniger einfach mehr und der Autor hätte meiner Meinung nach das Buch halbieren können und dennoch wäre die eigentliche Handlung immer noch ausführlich genug vorhanden gewesen. Wer sich also durch 700 Seiten kämpfen kann, der kann sich immer noch auf ein paar spannende Lesestunden freuen.

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