Originaltitel: June Bug
Autor: Chris Fabry
Verlag: Gerth Medien
ISBN: 978-3865916419
Seiten: 384
Datum: 2011
Extra: Leseprobe

Inhalt: Junis Zuhause ist das Wohnmobil, mit dem sie schon, seit sie denken kann, durch das Land reist. Und überall kann ihr Vater Geschichten erzählen über Kriege und besondere Menschen. Doch Junis Welt gerät ins Wanken, als sie ihr Bild in einem Supermarkt sieht. Wer ist diese Nathalie, die vor sieben Jahren verschwand? Welche Geschichte verheimlicht ihr ihr Vater?


Meine Meinung
: Juni ist neun Jahre, ein schlaues aufgewecktes Mädchen, das, seit es sich erinnern kann, mit ihrem Vater John in einem Wohnmobil lebt. Es ist nicht mehr das neuste Modell und John ist immer knapp bei Kasse, hält sich mit Reperaturarbeiten über Wasser, aber trotzdem sind die beiden glücklich. Für ihn bedeutet das fahrbare Heim nämlich die Freiheit, dorthin zu gehen, wo es ihn und seine „Junikäfer“ gerade hinzieht.
Zu Beginn stranden die beiden allerdings auf dem Parkplatz eines Supermarktes, der zu einem Wendepunkt ihres Leben führen wird. Denn dort entdeckt Juni die Vermisstenanzeige: Es ist das Bild der per Computer gealterten Nathalie Anne Edwards, die im Alter von zwei Jahren spurlos verschwand und Juni zum Verwechseln ähnlich sieht. Auf einmal hat sie tausend Fragen im Kopf nach ihrer Mutter und ihrer Heimat; sie beginnt, an ihrem rastlosen Lebensstil zu zweifeln und erweckt den Wunsch nach etwas Festem, Gewohnheiten, Freundschaften und einer Familie.


Aber man brauchte bloß eine alte Frau zu besuchen, und schon merkt man, dass da noch jeden Menge anderer Fragen im Raum herumschwirren wie Schmetterlinge. Die Antworten sind genauso schwer einzufangen. Es gibt kein Netz, das groß genug wäre für alle meine Fragen.
(S. 204)

Besonders die Erzählperspektive aus Sicht der jungen Ich-Erzählerin gibt Einblicke in ihr chaotisches Gefühlsleben. Auch wenn sie sich durch kindliche Naivität und die einfache Sprache schnell einem kleinen Mädchen zuordnen lässt, wirkt sie oftmals schon reifer als andere Gleichaltrige. Es ist in einer Weise süß und herzsergreifend, ein Kind auf einer Reise nach sich selbst zu begleiten, ihre Angst vor Brücken zu belächeln und ihre fast unendliche Liebe zu ihrem Vater, die einiges überstehen muss.


Es ist schwer, wenn man seinem Papa wehtut, aber manchmal muss man einfach raus mit der Wahrheit: „Andere Kinder träumen nicht davon, mit dem Fahrrad auf einem Parkplatz rumzufahren. Unser Leben ist, als ob man ständig Ferien hat. Weißt du, was ich meine? Du willst frei sein, aber ich weiß nicht, wovon wir eigentlich frei sind.“
(S. 104)

Allerdings werden auch andere Perspektiven von Personen aufgegriffen, um mehrere Seiten dieser Geschichte zu beleuchten. Zum einen ist da John, der seiner Junikäfer so viel Liebe zu geben versucht, wie das Mädchen es ihm gegenüber tut, aber auch mit den Geschehnissen der Vergangenheit zu kämpfen hat. Gleichzeitig spielt sich die Handlung in Dogwood ab, wo manche Menschen immer noch oder schon wieder von dem Verschwinden Nathalies herimgesucht werden. Die Vielzahl dieser Personen ist für mich hart an der Grenze, etwas zu viel sind die Stellen, an denen aus Junis Sicht berichtet wird, sie aber nicht selbst erzählt. Weiterer Kritikpunkt ist die Vergangenheit einiger Personen, deren ausführliche Erläuterungen mit nicht immer geläufig sind.

Dieses Buch vereint im übrigen neben der kindlichen Sichtweise auf das Leben und einem Raod Trip auch einen Kriminalfall und malt ein Bild der amerikanischen Gesellschaft. Ehrlich gesagt bin ich kein Bewunderer des dortigen Lebenstils, aber an manchen Stellen malt der Autor ein noch düstereres Bild, da in einer Kleinstadt anscheinend jeder mit dunklen Familiengeheimnissen à la Drogen und Alkoholexzesse zu kämpfen hat. Und dennoch wird gleichzeitig der christliche Glaube eingebracht, der nur hin und wieder angesprochen wird und für einige Personen eine wichtige Rolle spielt, aber im Gesamtwerk nur untergeordnet wird.
Zum Ende hin wird das Buch übrigens immer interessanter und Wendungen in Dogwood machen die Geschichte spannender, während Junis und John eher zum nachdenken anregen. Leider will ich mit der Zeit lieber diesen Spannungsteil verfolgen, während die Vater-Tochter-Beziehung mich nur noch mässig anspricht, aber mehr Gewicht in dem Buch bekommt. Einige Fragen bleiben zu dem am Schluss offen und vollkommen überzeugt bin ich nicht. Trotzdem kann man sich damit zufrieden geben.


Fazit:
Das Buch hat mich positiv überrascht, auch wenn das ganze Potential nicht ausgenutzt wird. Etwas mehr Spannung hätte man der Reise geben können, doch es bleibt trotzdem noch eine schöne Hommage an die Träume und Sehnsüchte eines Kindes.

Empfehlenswert:

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