Originaltitel: Drachenhaut
Autorin: Frances G. Hill (Susanne Gerdom)
Verlag: ArsEdition -> bestellen
ISBN: 978-3-7607-8453-3
Seiten: 464
Datum: Juli 2012
Extra: Leseprobe

Inhalt: Fantastische Dinge gehen in dem Land Mohor vor. Der Schlangengott Der Naga soll vor Jahren den Kronprinzen verflucht haben und die Waise Lilya wächst mit einem merkwürdigen Mal seltsam gebrandmarkt bei ihrem Großvater auf.  Doch eine Begegnung mit Der Naga verändert alles: sie begegnet Dämonen und seltsamen Wüstenmenschen, Zauberei und Verschwörungen. Und dabei ist sie immer auf der Suche nach der Wahrheit über sich selbst.

Meine Meinung: Ich habe schon viele positive Rezensionen über dieses Buch gelesen, über die Ausarbeitung der Figuren, den Spannungsaufbau, die fantastischen Aspekte. Und am Ende von „Drachenhaut“ angekommen, kann ich das nicht ganz nachvollziehen. Aber fangen wir lieber vorne an.

Das Geschichte spielt in dem orientalisch anmutendem Land Mohor, beginnt aber mit einer Begegnung der Fürstin der Feen, Peri Banu, mit Der Naga, die das Schicksal des Kronprinzen besiegelt. Er, Massinissa, wird als Patensohn der schönen Feenfürstin von dem dunklen Gott verflucht und verwandelt sich mit dem Stand des Mondes jahrelang, ohne dass jemand ihn befreien kann.

Lilya dagegen wächst wohl behütet in dem Haus ihres Großvaters Kobad auf, abgeschottet von der Welt und ohne wirkliche Freundschaften. Ihre dunkle Haut macht sie unter all den Bewohnern zu einem Sonderling und als wäre das noch nicht genug, muss sie ihr Gesicht verbergen, denn sie besitzt ein seltsames Auge und merkwürdige Narben. Fast jede Nacht wird das Mädchen von Albträumen heimgesucht, wohl Erinnerungen aus der Vergangenheit, die sie nicht einordnen und verstehen kann. Eine weitere Besonderheit ist ihr Seelenbruder, eine Person, zu der sie anscheinend eine mentale Verbindung aufbaut und der sie sich oft anvertraut. Ansonsten ist sie ein verzogenes Kind, stellt sich weit über die zahlreichen Sklaven des Hauses und findet es undenkbar, sich an der alltäglichen Arbeit zu beteiligen.

Es dauert eine ganze Weile, bis etwas Tragendes geschieht und ein kleiner Höhepunkt zu Beginn mit dem Aufeinandertreffen von Lilya, Massinissa und Der Naga endet, bei dem das Mädchen äußerliche Spuren davonträgt, deren Bedeutung der Titel schon vorweg nimmt. Weiteres will ich von dem Buch nicht mehr preisgeben, denn bis zu diesem Zeitpunkt hat man bereits ein Viertel der Seiten geschafft und mehr passiert eigentlich nicht. Einzig erwähnenswert sind noch die Einführung der Wüstenmenschen, deren Namen bereits ihre Herkunft erklären, und Lilyas Begegnung mit einem Sklaven namens Yani, die zumindest einen kleinen Riss in der straffen Hierarchie Mohor erzeugt. Natürlich muss in einem Jugend-Fantasy-Roman eine Liebesgeschichte entworfen werden zwischen zwei Figuren, die aus unterschiedlichen Umfeldern stammen und damit bestehende Normen und Werte durchbrechen. Die Autorin verfällt hier entgegen meinen Befürchtungen nicht ins Kitschige, sondern behandelt sie derart nüchtern und nebensächlich, so dass ich sie, und auch das kommt vor, überhaupt nicht als Liebesbeziehung angesehen hätte, wenn es nicht ausdrücklich dort stehen würde. Stattdessen führt Hill später weitere Liebeskandidaten ein, das gleiche Minimum an Gefühlsausbrüchen mit sich bringen.

Bis auf Lilya werden die Personen auch sonst nur spärlich behandelt: Kobad verliert ständig an Bedeutung, Yani verschwindet zwischenzeitlich von der Bühne, der König kommt kaum vor und ist doch letzendlich von großer Wichtigkeit und Der Naga ist der Inbegriff für einen widersprüchlichen Charakter, was ich nicht weiter auführen möchte, um keine vorhersehbaren Überraschungen vorweg zu nehmen.
Ein weiteres Manko sind die ständigen Brüche in der Erzählung. Dauernd springt die Geschichte, ohne die vorherige Situaton ausgekostet zu haben. Gleichzeitig verändert sich das Leben drumherum auch kaum, also bringen diese Sprünge, um die Story voran zu treiben, letztlich nichts. Besonders das Ende leidet darunter, das so viel ungenutztes Potential hat, dass es mein Gesamtbild vom Buch hätte verändern können. Stattdessen muss ich mich mit einem Kapitel à la „Was aus ihnen wurde…“ begnügen.

Fazit: Ich glaube, dass es selbst für Genreliebhaber bessere Bücher gibt als „Drachenhaut“, das mich fast durchgängig enttäuscht hat. Es ist schade, wie ungenutztes Potential manchmal zwischen den Seiten verpufft.

Vielen Dank an Blogg dein Buch für dieses Rezensionsexemplar!

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