Die Rezension wurde bereits am 29. August 2010 auf meinem alten Blog verfasst.

Originaltitel: Crank
Autorin: Ellen Hopkins
Reihe: Crank Trilogy
Verlag: Carlsen
ISBN: 978-3551582300
Seiten: 544
Datum: August 2010
Extra: Leseprobe

Inhalt: Kristina sieht zum ersten Mal seit Jahren ihren Vater wieder. Drei Wochen verbringt sie bei ihm in Albuquerque. Doch sie ist schockiert: er lebt in einem schmutzigen Viertel, arbeitet in einer zwielichtigen Bowlingbahn, raucht, trinkt und nimmt bestimmt noch andere Sachen zu sich. Hier lernt Kristina Adam kennen, der eigentlich so gar nicht ihr Typ ist. Doch auf einmal taucht Bree in ihrem Körper auf. Und in einem Hinterzimmer bekommt sie ihren ersten Vollrausch. Bree beginnt zu rauchen, Drogen zu nehmen und als sie nach einiger Zeit zurück nach Nevada fleigt, hat sie sich verändert.
Bree lernt neue Freunde kennen. Der süße Bademeister Brendan, der sie eigentlich nur entjungfern will, der nette Chase, den sie früher nie angesprochen hätte und die Schwester ihres schwulen Freundes Robyn. Keiner ist gut für sie, doch jeder von ihnen hat Zugang zu Crank, oder einem anderen Stoff.
Sie gerät tiefer und tiefer in den Drogensumpf. Und immer wieder muss sie lügen, denn ihre Mutter wird immer besorgter. Doch es scheint keinen Ausweg mehr zu geben…

Meine Meinung: Dieses Buch hat mich wirklich gefordert. Ich hatte manchmal den Eindruck ein überdimensionales Gedicht. Leider konnte ich irgendwann nicht mehr genug denken, um jede Metapher zu entschlüsseln. Von der Sprache her ist das Buch deshalb nicht gut für besonders junge Jugendliche geeignet, trotzdem lesenswert, denn die meisten komplizierten Absätze sind nicht sehr bedeutend für die eigentliche Geschichte.

Das Buch ist aus der Sicht von Kristina geschrieben. Allerdings hat sie keine Persönlichkeitsstörung, wie sich vielleicht aus der Inhaltsangabe vermuten lässt. Es ist eher so, als sei Bree ein Wunschdenken, zu dem sie sich mehr und mehr entwickelt. Trotzdem werden immer wieder innere Konflikte beschrieben, denn sie merkt schon, dass sie einen Fehler macht. Sie ist sogar fast soweit, sich an ihre Mutter zu wenden. Doch immer wieder ruft sie das „Monster“, dass unverzichtbar für sie geworden ist.
Die Geschichte ist ziemlich realitätsnah, wie bereits der Hinweis der Autorin zeigt:

Dieses Buch ist fiktiv, doch ihm liegt eine wahre Geschichte zu Grunde – die meiner Tochter. Das Monster hat ihr Leben und das ihrer Familie gezeichnet. Meiner Familie. Es ist eine Qual, wenn ein Mensch, den man liebt, mit Haut und Haar einem Stoff verfällt, der ihn in einen Fremden verwandelt. In eine Person, die man am liebsten gar nicht kennen möchte.
In dieser Geschichte ist nichts aus der Luft gegriffen. Vieles darin ist und oder Familien wie der unseren widerfahren. Die Protagonisten habe ich in vielen Fällen aus wahren Personen zusammengesetzt. Wenn sie echt wirken, ist das gut so. […]
Wenn diese Geschichte den Leser berührt, habe ich mein Ziel erreicht. Crank ist tatsächlich ein Monster – eines, das man nur mit größter Mühe los wird, wenn man es einmal in sein Leben eingeladen hat. Man sollte sich die Sache besser zweimal überlegen. Und noch ein drittes Mal.

Kristina landet eigentlich nur im Drogensumpf, weil sie einem Menschen näherkommen will. Falsche Freunde, das ist auch im realen Leben der Untergang für viele Jugendliche. Dabei hätte im Buch nur jemand etwas genauer hinsehen und vielleicht auch gegen Kristinas Willen sich hätte einmischen müssen. Schließlich gab es einige, die ihr sehr nahe standen, sich aber doch nicht genug um sie gekümmert haben. ich konnte wirklich nur mit dem Mädchen mitfühlen, denn auch wenn sie es nicht bemerkt hat, sie wurde von fast allen im Stich gelassen.

Gefesselt hat das Buch nicht durch eine spannende Geschichte. Ich war natürlich auf das Ende gespannt, das sich als offen erweist, aber dennoch den Leser genau wissen lässt, was als nächstes geschieht. Gefesselt war ich eher durch den Aufbau des Buches. Kleine Kapitel mit wenigen Sätzen machen es schwer, wieder aufzuhören. Ich denke, viele Leser kennen das, wenn sie mitten in enem Buch sind, es aber bereits spät am Abend und sie eigentlich schlafen müssten. Dann denken sie sich, ein kleines Kapitel kann man ja noch eben lesen. Aber genau das macht CRANK so besonders. Jedesmal, wenn ich das Buch gestern Nacht zur Seite legen wollte, kam das nächste sehr kurze Kapitel und das nächste.
Ich habe also ziemlich lange darüber nachgedacht, warum das Buch genau so aufgebaut ist. Und ich glaube, dass es genau dieses Gefühl ist, wenn ich denke: „Eins kannst du noch lesen.“ Ich denke, dass ist genau das, was auch Drogensüchtigen passiert. „Einmal noch, und dann kann ich ja aufhören.“

Dieses 544 seitige Buch ist keine leichte Lektüre, nicht nur wegen der Thematik. Der Schreibstil erschwert das Verständnis, denn das Buch besteht nicht, wie die meistens anderen einfach nur aus den gleichen immer von oben bis unten beschriebenen Seiten. Nein, jeden Seite ist anders aufgebaut. Mal sind die Wörter völlig durcheinandergewirbelt. Mal nach rechts verrückt, mal nach links, mal muss man sie von oben nach unten lesen, mal einige Zeilen springen. Dadurch wird jede Seite buchstäblich zu einer Herrausforderung, mit der man sich erstmal zurechtfinden muss. Nach ungefähr 50 Seiten hat man es im Großen eigentlich raus, dennoch überrascht die Autorin immer wieder mit neuen Seiten.
Desweiteren fällt auf, dass die „Kapitel“ immer nur eine oder zwei Seiten umfassen. Höchstens drei und jede beinhaltet in der Regel höchstens fünf Sätze. Darum ist dieses Buch auch keine ewig lange Geschichte, wie die Seitenzahl vermuten lässt.

Was ich insgesamt über das Buch denken soll, das weiß ich selber nicht so genau. Zumindest ist es das erste so dicke Buch, dass ich mir gerne doppelt so dick gewünscht hätte. Rückblickend ist es nämlich eine sehr kurze Geschichte, die hier erzählt wird. Leider springt das Buch in den letzten paar Seiten ziemlich, aber eigentlich scheint das auch ziemlich verständlich.
Das Buch ist zumindest ein Anstoß, über den Teufelskreis der Drogen, in den sich Jugendliche oft begeben, nachzudenken. Es hat mir eigentlich tausende Gründe genannt, warum ich mich so weit wie möglich davon fernhalten sollte, andererseits aber auch für Freunde da sein sollte, die sich dortdrin befinden.

Fazit: Weiterempfehlen kann ich es auf jeden Fall. Wer allerdings lieber leichte Lektüre liest, dem wird CRANK wahrscheinlich weniger gefallen. Nachdenken werde ich nämlich noch für eine ganze Weile.

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