Originaltitel: Buddenbrooks – Verfall einer Familie
Autor: Thomas Mann
Verlag: Fischer
ISBN: 978-3596294312
Seiten: 768
Datum: 1989
Extra: Filmtrailer

Inhalt: Buddenbrooks, eine aufsteigende Kaufmannsfamilie, erlebt die Wirren des 19. Jahrhunderts. Ein prächtiges Haus, ein Leben in der gehobenen Gesellschaft, wöchentliche Familientreffen. In diesem Umfeld wachsen die Sprößlinge der Familie auf und verfallen langsam an gescheiterten Ehen, Krankheiten und schlechten Geschäften.

Meine Meinung: Ich glaube, ein bisschen wird meine Meinung zu diesem Buch beeinflusst durch die Tatsache, dass ich dank Zentralabiturs zu dieser Lektüre gezwungen wurde. Wahrscheinlich habe ich dadurch meine Objektivität zu dem Roman gänzlich verloren, aber Rezensionen sollen schließlich subjektiv sein.

Wir beginnen in dem großen und prächtigen Haus der Familie, einem Symbol für ihren wirtschaftlichen Erfolg, und lernen eine Reihe von Personen kennen, deren Leben der Leser teilweise über ein halbes Jahrhundert verfolgt. Im Mittelpunkt stehen dabei Antonie „Tony“ und ihre Brüder Christian und Thomas, deren verschiedene Charaktereigenschaften für eine vielfältige Sicht auf die Geschäfte, die Gesellschaft und die politischen Situationen ermöglichen. Thomas wird zu einem ernsten Mann, der sich fast ausschließlich für die Familienfirma interessiert und engagiert und von ständigen Sorgen um Geld und Erfolg geplagt wird. Ihm gegenüber steht der sorglose und stehts zu Späßen aufgelegte Christian, der mit eigenen Leiden zu kämpfen hat, und Tony, das Prinzesschen der Familie. Keiner von ihnen kann mir als Leser dauerhaft ans Herz wachsen, selbst wenn der ein oder andere doch ein Lächeln hervorruft.

In fast 800 ist insgesamt genug Handlung, um bestimmt hundert Seiten zu füllen. Der restliche Teil stockt an nichtssagenden Diskussionen der Familienmitglieder, Ausflügen, Dramen und Feiern, die einzig den Zweck erfüllen, dem gesellschaftlichen Anspruch gerecht zu werden, oder Stoff für neue Diskussionen und familieninterne Streitigkeiten liefern. Zahlreiche Personen, die teilweise nur von mäßiger Wichtigkeit sind, erschweren das Lesen, gleichzeitig fixiert sich die Handlung auf wenige Orte und irgendwann kann Mann auch nicht mehr mit detaillierten Umgebungsbeschreibungen punkten.

Einzig positiver Punkt sind die Stränge die man zur heutigen Zeit ziehen kann, falls man das Buch bis dato noch nicht aus der Hand gelegt hat. Zum Beispiel lässt sich die Konkurrenz mit der Familie Hagenström, ebenfalls als Kaufmannsfamilie im Aufstieg, und der „Verfall“ der Buddenbrooks mit den wirtschaftlichen Vorgängen der Moderne etwas abstrakt vergleichen. Außerdem hat Mann ein Thema aufgegriffen, dass heute mehr denn je im Mittelpunkt der gesellschaftlichen Probleme steht und zwar das stressbedingte Burn Out-Syndrom, das der Autor authentisch und schockierend beschreibt.

Zum Film: Die neuere Verfilmung von 2008 habe ich mir im Zuge des Unterrichts ebenfalls zu Gemüte geführt und mich sehr gefreut, dass kein Versuch unternommen wurde, dem Umfang des Buches gerecht zu werden. Auch durch zahlreiche Kürzung ist er noch sehr lang und zeichnet mit relativ soliden Schauspielern genau die Eindrücke der Charaktere nach, die ich bereits bei der Vorlage hatte: unsympatische und realitätfremde Protagonisten. Dafür ist die Stimmung mit pasenden Schauplätzen und prächtigen Kostümen sehr authentisch und macht eine halbe Stunde alle anderen Längen wett, kann danach aber auch nichts mehr richten. Ein Highlight ist allerdings Justus von Dohnányi als Bendix Grünlich, über den ich mich köstlich amüsiert habe.

Fazit: Diesem Buch kann ich nichts abgewinnen und hat mein Bild von Klassikern als öde Schwarten alles andere als positiv verändert. Wer auf langartmige und handlungsarme Familienchroniken steht, der dürfte allerdings bestens bedient sein.

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