Originaltitel: Wilde Reise durch die Nacht
Autor: Walter Moers
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3442452910
Seiten: 224
Datum: 2003
Extra: Gustave Doré, Dorés Werke, Zamonien

Inhalt: In Seenot geraten trifft Gustave auf den Tod. Der möchte sich die Seele des Jungen einverleiben, doch Gustave hat noch eine letzte Chance. Er muss bis zum Ende der Nacht sechs Aufgaben vollenden. Als Ritter tritt er eine Reise durch Raum und Zeit an.

Meine Meinung: An mein erstes Buch von Moers, das nicht in Zamonien spielt, hatte ich große Ansprüche. Die Feder des Autors ist zumindest überall spürbar, schräge Ideen und unvorhersehbare Ereignisse können ihm einwandfrei zugeordnet werden.
Dabei ist Wilde Reise durch die Nacht mit etwas mehr als 200 Seiten wirklich nur leichte Kost und durch zahlreiche Karrikaturen und darauffolgenden leeren Seiten, was ich etwas verschwenderisch finde. Aber davon abgesehen ist dieses Büchlein vollgepackt mit einer fantastischen Geschichte.

Gustave, zwölf Jahre alt, beginnt sein unglaubliches Abenteuer auf See als Kapitän der Adventure, das in den Sturm der Zwillingstornados gerät. Das erinnert gleich an Zamonien-Zeiten und gibt den Leser den anfänglichen Spannungshöhepunkt, auch wenn jegliche weitere Einleitung leider nicht existiert und der Anfang für Verwirrung sorgt. Kurz darauf treten zwei sonderbare Figuren auf und zwar der Tod höchstpersönlich und zwar so, wie man sich den Sensenmann vorstellt, und seine leicht verwirrten Schwester. Die erwähnten Aufgaben werden gestellt und Gustave tritt seine Reise an, wobei ihm verschiedene Hilfmittel gegeben werde – Rüstung, Schwert und mehr oder weniger treue Gefährten.
Die Aufgabenstellungen haben einen Märchencharakter, die tatsächlichen Herausforderungen liegen zwischen Absurdität, Philosophie, Betrug und Schwachsinn. Kurz gesagt, Moers bietet mal wieder einfach alles und nichts, das man erwarten könnte.

„Wenn das mal keine Traumprinzessin gewesen ist!“ lachte das Schwein. „Diese Berufsgruppe spekuliert gerne darauf, daß das ganze Universum nur geträumt wird. Ausgesprochen subjektive Universuminterpretation! Aber keine uninteressante Philosophie.“
„Wenn das stimmen würde“, sinnierte Gustave, „von wem wird es dann geträumt?“
„Genau, das wäre dann die nächste Frage: Von wem wird das Universum eigentlich geträumt? Schwer zu sagen. Vielleicht von mir? Das wäre eine sehr subjektive Annahme.“ Das Schwein grunzte amüsiert. „Aber ich träume nicht. Ich schlafe nicht mal. Wer weiß – vielleicht ist es ein gemeinsamer Traum. Vielleicht wird es von vielen geträumt. Eine Art Brei, in dem alle rühren. Keine appetitliche Vorstellung, oder?“ (S. 156)

Schlag auf Schlag wechseln die Handlungsorte, ständig begegnen dem jungen, aber äußerst raffinierten Protagonisten neue Gefahren und Märchenelemente wechseln sich mit blutigen Szenarien ab. Diese schnelle und leichte Lektüre wird durch die Zeichnungen von Gustave Doré zusätzlich zu einem Augenschmaus und es ist wunderbar, zu sehen und zu lesen, zu welcher Geschichte Moers dessen Bilder verbunden hat, auch wenn sie keine große Rahmenhandlung zu bieten hat.

Fazit: Dieses Buch kann man sich leicht zu Gemüte führen und wird trotz einiger Macken nicht enttäuscht, wenn man sich auf eine verrückte und skurrile Geschichte einlassen kann.

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