Originaltitel: Northern Lights (The golden Compass)
Reihe: His dark Materials
Autor: Philip Pullman
Verlag: Carlsen
ISBN: 978-3-551-35720-5
Seiten: 465
Datum: 2007
Extra: Leseproben

Inhalt: Es gibt Welten, die sind der unseren ähnlich. Dort wo diese Geschichte spielt, gibt es auch ein England – und ein Mädchen namens Lyra, das mit ihrem Daemon Pan durch die Straßen von Oxford streift. Doch als plötzlich Kinder entführt werden, ihr Onkel verschwindet und eine mysteriöse Dame auftaucht, zieht es Lyra in den Norden auf der Suche nach ihrem Freund und dem geheimnisvollen Staub.

Meine Meinung: Lyra ist ein junges Mädchen, das ohne Eltern im Jordan College in Oxford unter Wissenschaftlern aufwächst. Sie ist abenteuerlustig und streift jeden Tag durch Oxford, kämpft mit anderen Kinder und hat keine Lust auf Unterricht. Ihre Familie besteht aus ihrem Onkel Asriel, der Expeditionen in die Arktis macht. In dieser Welt wachsen Menschen mit Daemonen auf, tierartigen Wesen, die ihre Gestalt wechseln können, wie Lyras „Pan“ Pantalaimon, bis ihre Partner erwachsen werden. Die Gesellschaft selbst lebt bereits mit hohen technischen Fortschritten, bleibt aber noch hinter unserer zurück und steht stark unter dem Einfluss der Kirche mit seinen zahlreichen Einrichtungen.

Zufällig rettet Lyra eines Tages ihrem Onkel bei einem seiner seltenen Besuche das Leben und wird Zeugin einer Versammlung von Wissenschaftlern, die über brisante Vorgänge in der Arktis und Staub reden. Sie wird neugierig, merkt aber, dass dieses Thema der Kirche ein Dorn im Auge ist. Kurz darauf wird ihr Freund Roger von den sogenannten Gobblern entführt wie viele andere Kinder auch und das Mädchen gerät in den Bann der undurchsichtigen Mrs. Coulter, die sich auffällig für Lyra interessiert und sich ihrer annimmt. Vorher erhält Lyra allerdings von dem Direktor der Colleges ein sogenanntes Alethiometer, mit dem sie die Wahrheit erfahren kann. Dank der lebhaften und mutigen Protaginistin fliegen die Seiten nur so dahin, die nur selten in kindliche Naivität verfällt und stets bemüht ist, für alle zu kämpfen, die ihr wichtig sind und das sind nicht wenige, denn selbst einen Bären macht sie sich mit List und Gutmütigkeit zum Freund.

Aus der zarten Kindergeschichte entwickelt sich so schnell mehr, als der Anfang vermuten lässt, denn es geht zum einen noch fantastischer zu, als es das Auftreten der Daemonen vermuten lässt. Auch an Spannungsmomenten und teils kampfbetonten Szenen mangelt es nicht, die deutlich über dem Niveau eines einfachen Kinderbuches liegen. Ebenso verhält es sich mit der Tiefgründigkeit, die hinter der eigentlichen Geschichte liegt, die sich allerdings noch besser erfassen lässt, wenn man die Folgeteile kennt, aber auch so gibt es eine deutliche Religionskritik und eine brutale seelische Folterung von Kindern.

Zum Film: Nach dem optisch eindrucksvollen Film hegte ich gewisse Ansprüche an das Buch, muss aber sagen, dass die Vorlage eindeutig gewonnen hat. Es geht tiefer und hat mehr Handlung, als die Verfilmung vermitteln kann. Nebenstränge und Erklärungen, die „Der goldene Kompass“ vielschichtiger machen, wurden oft gestrichen und auch an der eigentlichen Erzählung wurde viel verändert. Allein das Ende sollte für Leser wenig befriedigend sein.

Fazit: Diese Reihe ist definitiv keine seichte fantastische Geschichte für Kinder, sondern eher auf ältere zugeschnitten und so bin ich positiv überrascht, dass Pullman das Buch irgendwo zwischen allen Genres anordnen kann und trotzdem ein absolut empfehlenswertes Werk schafft.

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