Originaltitel: Oorlogswinter
Autor: Jan Terlouw
Verlag: Urachhaus -> bestellen
ISBN: 978-3-8251-7825-3
Seiten: 204
Datum: 2012

Inhalt: Die Niederlande wird von den deutschen Nationalsozialisten besetzt gehalten im letzten Winter. Die Menschen leiden unter Krieg, Hunger und Kälte. In der Bevölkerung regt sich der Widerstand, doch Verräter lauern überall. Mittendrin ist der junge Michiel, der unfreiwillig an eine Widerstandsgruppe gerät und plötzlich für das Leben anderer Menschen verantwortlich wird.

Meine Meinung: „Kriegswinter“ ist in den Niederlanden ein sehr populärer Roman, der auf wahren Gegebenheiten beruht und sich vor allem für jüngere Leser eignet. Der junge Protagonist wächst dem Leser schnell ans Herz, er muss bereits als Erwachsener leben, selbst Verantwortung übernehmen. Seit Monaten geht er nicht mehr zur Schule, sondern hilft den Menschen, die das Land auf der Suche nach Lebensmitteln durchkämmen.
Eines Tages wird ihm ein Brief anvertraut von einem jungen Mann, der einen Überfall auf die deutschen Besatzer plant. Am nächsten Tag ist er in Gefangenschaft, der Adressat ebenso. Michiel beschließt, den Brief zu lesen und als Leser wird man hineingezogen in ein gefährliches Geheimnis, dass der Junge zu schützen versucht. Im Laufe der Geschichte gerät er so immer tiefer in die Machenschaften derjenigen, die sich gegen das Regime auflehnen und man merkt, dass auch er sich gerne engagiert, aber immer in Angst lebt, entdeckt zu werden. Michiel wird vorsichtiger, misstrauischer und wird geplagt von Schuldgefühlen, als Menschen in seiner Umgebung sterben.
Zumeist beschränkt sich der Autor auf Michiel, obwohl auch andere Charaktere mit der Zeit an Bedeutung gewinnen. Sie sind ebenfalls in den Wirren der Kriegjahre gefangen, haben ihre eigenen Probleme und Geheimnisse und leiden unter der inneren Zerrissenheit zwischen dem Richtigen und der Sicherheit.

Der Reiz des Romans besteht weniger in anhaltender Spannung als in atmosphärischer Dichte, die Michiel dem Leser vermittelt, schließlich ließ sich das Ende irgendwann vorhersehen. Es sind die letzten Kriegsmonate und obwohl es dem Protagonisten und seiner Familie verhältnismäßig gut geht, bekommt man einen erschütternden Eindruck von den Menschen, die um ihr Leben kämpfen müssen und fast alle im Inneren den Terror der Besatzer hassen. Kleinere Szenen zeigen dabei besondere Wirkung und lösen den Roman aus dem Kampf zwischen Schwarz und Weiß, denn der Autor beschreibt, dass nicht alle Deutschen faschistische Monster und Mörder waren, wie sich die Alliierten für viele zivile Todesopfer verantworten müssen.

Vieles wird auch nur am Rand erwähnt, die Handlung steigt mitten im Kriegsgeschehen ein und beschränkt sich meistens auf die Situation in den Niederlanden. Ein kurzes Register am Ende erklärt einiges, aber ohne ein Vorwissen sollte man nicht an das Buch gehen. Ebenso gibt es komplexere Romane zum gleichen Thema, aber genau deswegen eignet sich „Kriegwinter“ als Einführung für junge Leser.

Fazit: Ein interessanter Protagonist führt besonders jüngere Leser in die Schrecken der letzten Kriegsmonate ein und vermittelt einen authentischen Eindruck einer leidenden Gesellschaft. Zurecht ist „Kriegwinter“ in den Niederlanden ein hoch gelobter und besonders in Schulen eingesetzter Roman.

Vielen Dank an Blogg dein Buch für dieses Rezensionsexemplar!

Advertisements