Titel: Vom Ende der Angst
Reihe: Abaton
Autoren: Christian Jeltsch, Olaf Kraemer
Verlag: mtxvision
ISBN: 978-3939435389
Seiten: 393
Datum: 2011

Inhalt: Drei Jugendliche lernen sich zufällig in einem Camp kennen. Doch zwischen den Drei scheint es eine Verbindung zu geben, ihr Treffen scheint vorherbestimmt. Aber wieso werden sie verfolgt? Was hat es mit den mysteriösen Bildern im Berliner Untergrund auf sich? Und was hat ein 1945 verstorbener Bühnenzauberer mit ihnen zu tun?

Layout: Normalerweise erwähne ich diesen Punkt nicht speziell, allerdings sollte die besondere Gestaltung nicht unerwähnt bleiben. Neben einem sehr interessanten Inhaltsverzeichnis, unterschiedlichen Schriftarten für die verschiedenen Sichtweisen und einzelnen Seiten gefüllt mit Computerzeichen, fallen auch Kleinigkeiten wie unterlegte Buchstaben oder vertauschte Seitenzahlen auf. Leider habe ich bis zum Ende keine Antwort gefunden, ob das ganze eine tiefere Bedeutung hat; ob zum Beispiel die markierten Buchstaben irgendeine Botschaft beinhalten.

Meine Meinung:
„Wie sieht unsere Zukunft aus?“ Mit einer solch interessanten Frage beginnt der Auftakt dieser Trilogie, denn sie bringt die drei Protagonisten in das ominöse Camp, in dem die Geschichte beginnt. Obwohl – eigentlich ist das nicht richtig, denn erstens haben die Ereignisse einen historischen Ursprung und zweitens ist diese Frage wohl nur Mittel zum Zweck, denn hinter allem und jedem steckt in diesem Roman viel mehr, als es den Anschein hat.
Das jedenfalls ist der Kernpunkt, den die drei Protagonisten, Edda, Linus und Simon, lernen werden. Ja, die Geschlechterkonstellation deutet bereits pubertäre Liebesprobleme an, aber sie halten sich in Grenzen, versprochen. Auch sonst zeigen sie das ein oder andere typische Merkmal eines 14jährigen, wie der übermäßige Gebrauch von Make-up oder die Revolte gegen einfach alles, wobei sie insgesamt keine Stereotypen ihrer Generation, sondern höchstens die der vom Schicksal gezeichneten Hauptpersonen sind. Alle drei haben in der Vergangenheit einiges durchmachen müssen, müssen sich mit inneren Konflikten plagen und fallen durch ihr Anders-sein auf. Als Leser schwankt man schließlich zwischen Ablehnung und Mitgefühl.

Im Großen und Ganzen geht es im ersten Band darum, dass eine seltsame Firma (?) Kinder beeinflusst, die drei jungen Protagonisten als etwas Besonderes ansieht und irgendetwas mit ihnen anstellen will. Auch nach fast 400 Seiten bin ich nicht genau dahinter gekommen, um was es genau geht, aber das Geheimnis scheint irgendwo zwischen Hypnose, Foltermethoden und einer fantastischen Macht zu liegen.
Man merkt also, dass Abaton als Trilogie angelegt ist, denn allein der Anfang in dem Camp und allem, was dazugehört, nimmt ungefähr ein Drittel des Buches ein. Hierbei sei gesagt, dass die Autoren nicht in chronologischer Reihenfolge erzählen, das legt sich danach allerdings wieder. Doch trotz dieser Unwissenheit – man will sich gar nicht vorstellen, wie sich die Jugendlichen fühlen, die noch weniger wissen, als der Leser – und häufigen Perspektivwechseln, ist das Buch leicht zu lesen und zu verstehen.

Sehr interessant ist aber, dass dieser Jugendroman nicht hauptsächlich in Action und viel Handlung punktet, sondern in der Beschreibung von Gedanken und deren Entwicklung, die oftmals thematisiert werden. Der Titel Vom Ende der Angst deutet schließlich schon an, dass vor allem die Psyche hier eine Veränderung durchmachen wird. Das hat mich persönlich positiv überrascht, lässt mich aber auch vermuten, dass es für allzu junge Leser zu anspruchsvoll sein könnte. Hinzu kommen noch Verschwörungstheorien, Mordpläne, stellenweise Brutalität und die abstrakte Darstellung von Kriminellen.

Ein bisschen Kritik muss allerdings noch sein: Zum einen hätte ich mir gewünscht, das Autorenduo hätte ein bisschen weniger Jugendsprache versuchen sollen. Auch wenn es authentisch wirken soll, für mich klang es sehr fremd und abstoßend und ließ mich die Protagonisten schwer einschätzen. Zweitens ist es die Darstellung der Jugendlichen insgesamt, die mich stutzig gemacht hat. Es gibt einige Punkte, die in der Realität in Deutschland nicht möglich wären, so sehe ich das zumindest. Da wäre zum Beispiel das Autofahren durch das halbe Land mit 14 Jahren – über das Alter der Protagonisten im Bezug auf ihr Verhalten kann man sich generell streiten – oder ein spielerisch einfacher Einbruch in ein Gefängnis. Drittens würde ich mich gerne über diesen seltsamen Klappentext beschweren, den ich leider immer noch nicht verstanden habe.

Fazit:
Ich persönlich bin hier sehr überrascht worden und zwar nicht nur, weil es ein mir bis dato unbekannter Roman ist. Ich weiß aber immer noch nicht, wie ich zu dem Buch stehe, denn ich habe keine Ahnung, worauf diese Trilogie hinauslaufen soll, abgesehen von dem wahrscheinlich genretypischen Happy End. Fest steht für mich, dass ich mich auf die beiden nächsten Teile sehr freue, aber auch glaube, dass es nicht jedem so gehen wird.

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