Diese Rezension enthält Spoiler zu den Büchern Delirium und Pandemonium von Lauren Oliver

Originaltitel: Requiem
Deutscher Titel: Requiem
Reihe: Amor Trilogie
Autorin: Lauren Oliver
Verlag: Harper Collins
ISBN: 978-0062254931
Seiten: 400
Datum: März 2013

Klappentext: They have tried to squeeze us out, to stamp us into the past.
But we are still here.
And there are more of us every day.

Inhalt: Zurück in der Wildniss sucht die Gruppe ein neues Ziel. Julian wird aufgenommen, aber Alex ist von den Toten zurückgekehrt und schließt sich ihnen an. Doch es ist nicht mehr ihr Alex, der Lena in Portland geliebt und ihr zur Flucht verholfen hat. Sie muss sich entscheiden, während die Regierung erbarmungslos gegen die „Infizierten“ vorgeht und der Widerstand für die Freiheit kämpft.
Hana ist geheilt und soll den zukünftigen Bürgermeister Fred Hargrove heiraten. Aber glücklich ist sie nicht, obwohl die ganze Stadt dem Ereignis entgegenfiebert. Irgendetwas verheimlicht ihr Fred und Lena ist trotz der Operation immer noch in ihrem Kopf.

Meine Meinung: Der finale Band der Trilogie ist in zwei seperate Handlungsstränge geteilt. Hana und Lena treten abwechselnd als Erzählerinnen auf, weshalb der Leser zum einen die heile Welt von Portland erlebt, zum anderen mit Lena durch die Wildniss streift und die Geschichte dort fast nahtlos an die Ereignisse aus „Pandemonium“ anknüpfen.

Hana ist seit etwa einem Jahr geheilt, doch nach dem Attacke auf das Gefängniss, bei dem auch der Bürgermeister ums Leben kam, hat sie das College verlassen um möglichst schnell den nächsten Bürgermeister zu ehelichen. Eine Brautkleidanprobe, Frisörtermine und Essen mit der Schwiegermutter und dem Verlobten bestimmen ihr Leben. Doch ihrem Erzählstil merkt man an, dass sie nicht so emotionslos ist, wie sie es sein sollte. Hana zweifelt zwischenzeitlich selber daran, ob die Operation bei ihr richtig gewirkt hat und rechtfertigt sich mit der Nervosität vor der Hochzeit, die sogar das Fernsehen und große Zeitungen in die Stadt lockt. In ihrer Geschichte balanciert sie zwischen Erinnerungen, gesellschaftlichen Erwartungen und der Suche nach Antworten, die ihr zukünftiger Mann um jeden Preis verhindern will.
Er ist der Antagonist und sehr radikal eigestellt, was die Menschen außerhalb der Mauern und auch die Sympathisanten in der Stadt betrifft. Auch Hana gegenüber verhält er sich bedrohlich und erbarmungslos, wenn sie seine Erwartungen nicht erfüllt und ihren eigenen Willen durchzusetzen versucht. Gleichzeitig gibt er sich der Öffentlichkeit – ganz Politiker – freundlich und glücklich über seine neue Frau.

Die Gruppe um Raven trifft außerhalb von New York auf alte Bekannte und durchkämmt zuerst ziellos die Wildniss. Lena fühlt sich zwischen Alex und Julian hin- und hergerissen, aber die Autorin schafft es – Gott sei Dank – die Konflikt nach wenigen Kapiteln vorrübergehend auf Eis zu legen, so dass diese Dreierbeziehung erstmal nicht vordergründlich behandelt wird. So bleibt eine große Entwicklung Lenas ebenfalls aus und das Augenmerk liegt auf der Handlung, die in meinen Augen noch etwas actionreicher ist, als die letzten Bände. Mehr sei dazu nicht verraten, außer dass wieder einige neue Personen eingeführt und angedeutete Handlungsstränge aufgegriffen werden.

Das Buch ist schnell gelesen und beide Erzählungen sind auf ihre Art interessant. Hanas geht manchmal in Richtung Moral und die Auseinandersetzung mit der Gesamtsituation, die man schon von Lena aus „Delirium“ kennt, nun aber unter der Berücksichtigung, dass Hana eigentlich geheilt ist. Bei Lena steht, wie gesagt, mehr der Kampf im Mittelpunkt:

We wanted the freedom to love. We wanted the freedom to choose. Now we have to fight for it.

Beide Protagonistinnen sind auf ihre Art sympathisch, wobei gewisse Handlungen ein wenig irrational erscheinen. Aber rebellisches Verhalten und Eifersucht müssen manchmal eben sein, auch wenn die Autorin es am Ende doch übertrieben hat.
Die anderen bleiben in diesem Band oft sehr blass und haben oftmals nur in einer Szene ihren großen Auftritt. Besonders Julian wurde in den Hintergrund gedrängt und vielleicht hätte sich die Autorin ein paar Charaktere sparen können. Bis zuletzt konnte ich mir viele Namen nicht merken, weshalb sie oft überlesen wurden.

Für einen Abschlussband ist mir der Roman allerdings ein wenig zu offensichtlich, zumindest die kurzfristigen Ereignisse. Ich konnte manchmal schon sagen, was auf den nächsten 10 Seiten passiert und im Nachhinein betrachtet ist auch das Ende nicht unbedingt sehr überraschend. Mir persönlich entstand doch ein zu positives „Happy End“-Feeling, denn authentischer wäre es gewesen, den Tod ein bisschen mehr walten zu lassen. Trotzdem mag ich die Art, wie das Ende geschrieben wurde, auch wenn einige bestimmt etwas daran zu kritisieren haben.

Fazit: Reqiuem ist kein geniales, aber doch ein versöhnliches Ende. Es kann die hohen Erwartungen nach dem zweiten Band nicht vollständig erfüllen, aber auch die Befürchtungen über das Abschweifen in eine seitenfressende Dreierbeziehung mit ganz viel Herzschmerz bestätigen sich größtenteils nicht. Ich glaube, Lauren Oliver hätte die Handlung viel besser gestalten können, wenn ein gewisser Alex einfach tot geblieben wäre.

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