Sam Hayes – Der fremde Sohn

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Originaltitel: Someone else’s son
Autorin: Sam Hayes
Verlag: List Taschenbuch
ISBN: 978-3548610504
Seiten: 528
Extra: Leseprobe

Inhalt: Carrie lebt für ihre Karriere und für ihren Erfolg und vernachlässigt dafür ihren Sohn Max. Doch als er tot aufgefunden wird, bricht ihre Welt zusammen und sie muss erkennen, dass sie nicht weiß, wer ihr Sohn eigentlich war.

Meine Meinung: Nach „Das verbotene Zimmer“ hatte ich mich sehr auf dieses Buch von Sam Hayes gefreut und tatsächlich ähneln sie sich im Erzählstil. Gleich zu Beginn erlebt man aus der Sicht der jungen Dayna, Max‘ Freundin, den Tod des Jungen und landet direkt in der Lebensgeschichte eines jungen Mädchen aus schwierigen Verhältnissen. Schnitt. Es folgt eine Einführung in das Leben der Carrie Kent; berühmt, erfolgsbesessen, exzentrisch und Moderatorin von „Reality Check“. Schnitt. Der nächste ist der Professor einer Universität, der in einer bescheidenen Wohnung in einem der schlechtesten Viertel Londons haust und das komplette Gegenstück zu seiner Exfrau darstellt.

So geht es Schlag auf Schlag: Personen, Orte und Zeitpunkte wechseln fortwährend und man wird ständig aus der Handlung gerissen. Zum einen bietet diese Erzählweise die Möglichkeit eines sehr komplexen Buches, wenn selbst aus der Sicht eines Ermittlers berichtet wird und man von Beginn an erleben kann, wie sich eine Familie entfremdet. Immer wieder wird auch von Max berichtet, seiner vorherigen Schule, seinen Kindheitserinnerungen, sein Schweigen im Bezug auf seine Mutter, seine Beziehung zu Dayna. Leider wirken die Wechsel immer sehr plötzlich und man weiß nie so recht, was zuvor bereits geschehen ist und so wird die Komplexität eher zu einem Nachteil, besonders da die Ermittlungen nicht außerordentlich groß sind.
520 Seiten sind dafür definitiv zu viel und so zieht sich der Mittelteil, in der die Handlung nicht recht weiterlaufen will. Natürlich überrascht Hayes wieder mit ihrem Ende und es ist nicht alles so, wie es anfangs zu sein scheint, aber verständlich sind die Handlungen der Personen schließlich nicht.

Positiv möchte ich allerdings noch einige der Themenbereiche hervorheben, vor allem die Beleutung der gespaltenen britischen Gesellschaft. Carrie Kent verkörpert ie reichen Erfolgsbesessenen und Mächtigen, die an der Spitze des Systems thronen. Dayne dagegen ist der Fussabtreter, der in einer gewaltätigen Umgebung aufwächst und sich pratisch selbst durchkämpfen muss. Und Max stellt den Kritiker dar, der die Farce der Oberen nicht ertragen kann und sich lieber freiwillig in die harte Realität der Unterschicht begibt.
Der Umgang mit Trauer in diesem Fall ist auch sehr gut beschrieben und Hayes bietet ein breites Spektrum von Verdrängung bis zu eigenem Handeln besonders von Carrie. Schließlich ist ermitteln eine der Hauptaktivitäten, denen sie für „Reality Check“ nachgeht, denn sie macht die Schicksale der Menschen zum Teil ihrer TV-Show, in der sie neben Familienproblemen auch ungeklärten Todesfällen auf den Zahn fühlt mit einer Skruppellosigkeit, die von einer kaltherzigen Frau zeugen, deren Show in Deutschland wahrscheinlich im Nachmittagsprogramm von RTL landen würde, weshalb diese Karriereleiter in meinen Augen etwas unrealistisch ist.

Fazit: Leider hat mich dieses Buch schwer enttäuscht, denn es war für meinen Geschmack vom Inhalt zu ausführlich und abschweifend, auch wenn Hayes thematisch alles richtig gemacht hat.

Empfehlenswert:

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Ruprecht Knecht – Santa Klaus verzweifelt gesucht

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Originaltitel:
Santa Klaus verzweifelt gesucht
Autor:
Ruprecht Knecht
Verlag:
Grafit Verlag
ISBN: 978-3894253929
Preis: 8,99 €
Extra:
Leseprobe

Inhalt: Sechs Tage vor Weihnachten ist Kai Möbius den weihnachtsbegeisterten Menschen hilflos ausgeliefert. Dabei hält er selbst sehr wenig vom „Fest der Liebe“. Und als wäre der ganze Trubel nicht schon genug, bekommt er auch noch Wahnvorstellungen, denn warum sollte er sonst zwei Rentiere im Café sitzen sehen. Doch dann wird der Privatdetektiv von der Weihnachtselfe beauftragt, Santa Klaus zu finden, der seit der Explosion der Weihnachtsbäckerei verschwunden ist. Der Countdown läuft: Auf einmal droht dem Fest das Ende und der Welt eine internationale Krise.

Meine Meinung: Wieso sollte man das Weihnachtsfest nicht einmal mit Ironie und Humor aufarbeiten? Wieso nicht gleich aus dem „Fest der Liebe“ den Tatort für einen Kriminalfall machen? Und so platzt in die Ruhe und Besinnlichkeit des Festes eine Bombe und zum Helden kürt man einen richtigen Weihnachtsmuffel. Tatsächlich ist der Protagonist aber genau auf Grund dieser Eigenschaft prädestiniert dafür, die Ermittlungen im Fall des verschwundenen Santa Klaus zu übernehmen, zumindest behauptet dies dessen Stellvertreterin, die attraktive Weihnachtselfe Eloise. Also übernimmt der Privatdetektiv den Fall und gerät in eine regelrechte Weihnachtswelt.
Tatsächlich begegnet der Protagonist einer Reihe von schrägen Figuren, die immer zu überraschen wissen, denn deren Einzigartigkeit und Kuriosität machen es dem Leser schwer, sie einzuschätzen. So wird dieser Fall, der durchaus das Format eines Kriminalfalles hat, sehr undurchsichtig und von Anfang an gibt es einen Haufen Verdächtiger, denn irgendwie gehört jeder dazu: ein alkoholkrankes Rentier, der Psychiater von Santa Klaus, der Osterhase höchstpersönlich, Doubles, Hohlfiguren und eine geheime Organisation, wobei man über jeden einzelnen Seiten schreiben könnte. Außerdem sind auch die Indizen und Spuren alles andere als normal und auch die Umgebung und die Verkehrmittel haben so ihre Besonderheiten.

Das Buch weiß auf jeden Fall zu überraschen, nicht nur durch die Schrägheit, sondern auch durch den Fall selbst, was ich nicht erwartet hatte. Neben Ermittlungen in Richtung, die von vielen Seiten behindert werden, muss sich Möbius auch damit auseinandersetzen, ob das Verschwinden von Santa Klaus nicht einen völlig anderen Grund gehabt haben könnte.
Natürlich kann man in diesem kurzen Buch nicht auf den ausgeklügelsten Krimi hoffen, aber er hält doch immer wieder neue Wendungen parat, wenn auch etwas zu viele nach meinem Geschmack. Mir schien es, als wollte der Autor mehr Kuriositäten aus dem Leben in der Weihnachtswelt hineinpacken, als für den Fall relevant und an einigen Stellen wirkt es auch etwas überladen, aber dafür glänzt die Geschichte mit einer Einzigartigkeit und an einigen Stellen muss man einfach schmunzeln, besonders wenn man auf einmal bemerkt, in welchen Gefahren wird als Weihnachtskonsumenten stecken.
Es lässt sich zudem sehr schnell und flüssig lesen besonders um die Weihnachtszeit herum, auch wenn es wie ein Anti-Weihnachtsbuch wirkt. Es bewirkt beim Leser eine festliche Stimmung, Lust auf passende Musik und Weihnachtsleckereien.

Fazit: Dieses Buch bietet ein schräges und kurzweiliges Lesevergnügen, dass zu Unterhaltungszwecken von jedem gelesen werden kann, sei er nun ein Freund des Festes oder ein Weihnachtsmuffel.

Paul Collins – Der Mord des Jahrhunderts

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Originaltitel: The Murder of the Century
Autor:
Paul Collins
Verlag:
Irisiana
ISBN: 978-3424151220
Seiten: 448
Datum: 2012

Extra: 
Leseprobe

Inhalt: Ende des 19. Jahrhunderts werden in New York  Päckchen gefunden, deren Inhalt die gesamte Stadt aufrüttelt: Leichenteile, die offensichtlich von dem gleichen Mann stammen. Doch der Kopf fehlt und so beginnt die Jagd auf die mysteriöse Identität und den Mörder – angeführt von den örtlichen Zeitungsverlagen. Und bald schon findet zwischen den Zeilen New Yorks ein regelrechter Krieg statt.

Meine Meinung: Es geht in diesem Buch um einen wahren Fall, der anhand des Zeitungswesen Ende des Jahrhunderts aufgerollt wird und besonderen Wert auf den Wettkampf zwischen Joseph Pulitzer und William Randolph Hearst legt. Nicht selten wird der Eindruck einer planlosen Polizei vermittelt, weshalb nur der Einsatz der Journalistenscharen die Ermittlungen vorrantreibt. Die Abläufe eines Zeitungswesens zu beobachten, was einem Menschen aus dem 21. Jahrhundert vollkommen fremd ist, vielleicht aber doch nicht. Verdrehte Fakten, um unter anderem die Konkurrenz auszustechen, sind keine Seltenheit.

Der Fall an sich wird in fünf Teile aufgeteilt und im Prinzip ganz interessant gestaltet. Zuerst muss Das Opfer identifiziert werden, was sich in Zeiten ohne DNA-Abgleich sehr schwer ist und nur durch Recherche, besonders durch die Laufburschen der Zeitungmogulen, zu Die Verdächtigen führt. Auf Die Anklage folgt Der Prozess, der sich vor allem durch die Auswahl der Geschworenen verzögert, und abschließend gibt es Das Urteil und dessen Vollstreckung.  Nachvollziehbar ist diese Aufteilung, aber sie nimmt die Entwicklung des gesamten Buches etwas vorweg und somit bieten sich kaum überraschende Wendungen.

Das Flair der Zeit wird sehr gut eingefangen. Als Leser kann man sich hineinversetzen, auch wenn man etwas vollkommen anderes gewohnt ist, kein New York mit kleinen Wäldern und Wiesen und einem Brooklyn, das genau dies verkörpert. Es werden Probleme angesprochen, an die wir heute keinen Gedanken verschwenden würden. Besonders durch die vielen Perspektive, die der Autor einfängt und im Buch verarbeitet, bietet eine gesellschaftliche Bandbreite and Eindrücken, wobei man sich allerdings mit keinem besonders lange aufhält. Zudem wird sehr neutral erzählt, denn das Werk stützt sich auf viele Quellen, die  keine hundertprozentig sachliche Berichterstattung zulassen, aber auch keine Person zum objektiven Erzähler küren können. Der Autor hat sich sogar so sehr von seiner Recherche leiten lassen, dass er fast vollständig auf wörtliche Rede verzichtet und solche nur einsetzt, wenn sie zitiert ist, was die Geschichte an einigen Stellen sehr flach wirken lässt.

Fazit: Ich mag das Buch, auch der Fall interessiert mich persönlich. Aber die Art der Aufarbeitung konnte mich nicht immer überzeugen, schließlich ist es auch kein normaler Krimi. Wer Interesse am damaligen Zeitgeschehen hat, sollte aber einen Blick riskieren.

Kleiner Tipp: Den Schutzumschlag sollte man erst nach dem Lesen entfernen. Auf dem Buch sind nämlich Zeitungsausschnitte aus dem gesamten Fall abgebildet und verraten bereits das Ende.

Empfehlenswert:

Gisa Klönne – Nichts als Erlösung

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Inhalt: Hauptkommisarin Judith Krieger findet mitten in der Nacht einen Mann, getötet durch einen Kopfschuss. Auf der Suche nach seiner Identität stößt sie auf eine verschwundene Familie und eine Verbindung zu einem Kinderheim aus der Zeit des Nationalsozialismus. Und dann bekommt sie auch noch seltsame Briefe mit Fotos, die irgendwie mit dem Fall zu tun haben.

Meine Meinung: Dieses Buch ist in insgesamt fünf Teile unterteil, wobei verschiedene Personen als Protagonisten fungieren. Zum einen ist da die Hauptkomissarin und -protagonistin Judith Krieger, die zufällig auf eine Leiche stößt und sich mit dem Fall befasst. Die Handlung spielt dabei meistens im Raum Köln. Da der Tote allerdings in Griechenland wohnte, ist aber auch eine kleine Insel Schauplatz.
Im Gegensatz zu anderen Ermittlerinnen des Genres, stößt die Protagonistin nicht auf Frauenfeindlichkeit. Ihre Autorität steht meistens außer Frage, man hat Respekt vor ihr. Sie tritt als starke Frau auf. Probleme mit der Mutter und das Nichtwünschen von Kindern scheinen typisch für ihren Beruf im Vergleich zu ähnlichen Büchern. Während der Handlung macht Judith gerade einen Nikotinenzug durch, der vollkommen belanglos ist und meistens einfach nur stört.
Ihr Partner Manni Korzilius ist ein weiterer Charakter, aus dessen Sicht die Geschichte teilweise erzählt wird. Er kommt gut mit der Kollegin zurecht, entwickelt mit der Zeit ein freundschaftliches Verhältnis zu ihr, allerdings kann er ihr nicht gestehen, dass seine Freundin schwanger ist.
Dann ist da noch ein nerviger Reporter, der auf der Suche nach Informationen, selbst Nachforschungen anstellt und Judith versucht, zu erpressen, und ein Mann, der illegal nach Schätzen in einem Wald sucht und dort auf eine Leiche stößt. Die Handlung springt zwischen den vier Personen, verlagert sich am Ende aber eher auf die ersten beiden.

Inhaltlich liefert die Geschichte eine Menge Leichen. Die erste, gefunden von Judith, ist ein Mann, der lange verdächtigt wurde, seine Familie getötet zu haben. Seine Eltern und seine Schwester verschwanden eines Tages und im Haus fand man nur eine Menge Blut. Deren Haus steht noch immer und irgendwas scheint damit nicht zu stimmen. Aber auch sonst ist in diesem Fall nicht alles so klar wie es sein müsste: Judith bekommt Post mit Bildern, die offenbar etwas mit dem Fall zu tun haben. Vielleicht hat der Täter sie geschickt. Die Spezialisten sind ratlos. Spuren lassen sich an den Umschlägen keine finden.
Mit der Zeit versichten sich allerdings die Zeichen, dass das Kinderheim, in dem die Eltern gearbeitet haben, etwas mit dem Mord zu tun hat. Ein altes Photo und verbrannte Akten machen die Ermittlerin neugierig.

Bereits zu Beginn entwickelt sich eine gewisse Spannung. Nicht unerhebliche sind dafür mysteriöse Briefe, die ab und an abgedruckt sind. Wer der Verfasser ist, an wen sie gerichtet werden sollen und worum es eigentlich geht, das erfährt der Leser erst am Ende.
Ansonsten lässt sich das Buch flüssig lesen, zieht den Leser gut mit, trotz einiger Dinge, die mir persönlich weniger gefallen haben.

Da das Buch Teil einer Reihe ist, hat es auch eine gewisse Vorgeschichte, die hier angedeutet wird, allerdings nur für Kenner verständlich ist. Mich, als Neuling der Reihe, hat es eigentlich nur verwirrt. Außerdem finde ich die Andeutung zum Nationalsozialismus ebenfalls verwirrend. Die wichtigen Ereignisse in dem Kinderheim geschehen erst danach.
Was die Lösung des Buches und die Enthüllung des Täters angeht, so hatte ich anfangs bereits ein Verdacht, der mir sehr logisch erschien und sich hinterher auch bestätigt hat. Ich weiß nicht, ob das an mir liegt, oder ob man auch sonst darauf kommen kann. Für mich war es keine große Überraschung.

Fazit:
Insgesamt fand ich das Buch interessant und spannend, trotz einiger Makel und meiner Abneigung gegen Krimis. Je nachdem, ob man mit der unbekannten Vorgeschichte auskommt oder nicht, sollte man vielleicht doch mit dem ersten Teil der Reihe beginnen.

Originaltitel: Nichts als Erlösung
Reihe: Judith Krieger
Autorin: Gisa Klönne
Verlag: Ullstein
Leseprobe: vorablesen.de