David Foenkinos – Nathalie küsst

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Originaltitel: La Délicatesse
Autor:
David Foenkinos
Verlag:
C. H. Beck -> bestellen
ISBN: 978-3406621628
Seiten: 239
Datum: 2011
Extra:
Filmtrailer

Inhalt: Paris. Eine zufällige Begegnung wird zu einem ersten Rendezvous.
Die warmherzige Nathalie und der charmante Francois führen eine Beziehung, wie sie im Buche steht. Sie gehören zusammen, das steht außer Frage. Doch ein Moment zerstört alle Träume: Ein Unfall reißt Francois aus dem Leben und Nathalie fällt in eine unbändige Ohnmacht. Wie lebt man mit dem Verlust der Liebe? Kann man sie jemals wieder empfinden?

Meine Meinung: Nathalie ist ein Mensch, den man einfach gern haben muss: hilfsbereit, warmherzig. Ihr ganzes Leben lebt sie nach den Regeln und man wünscht ihr einfach einen Mann wie Francois, der genauso herzensgut ist. Ihr erstes Treffen mag weniger Zufall als Schicksal sein. Und dann bestellt Nathalie auch noch Aprikosensaft: Francois muss diese junge Frau einfach heiraten. Ihr Beziehung ist traumhaft, beide Seiten zeichnen dieselbe Zufriedenheit ab. Wie ungerecht empfindet es der Leser, als ihr Glück zerstört wird!
So stark der Autor das Bild einer perfekten Welt zu Anfang beschreibt, so brutal wird Nathalies gebrochenes Leben erzählt. Sie bekommt kaum mit, was passiert. Die Tage streichen vorbei, doch nicht mit der Glückseligkeit einer Verliebten, sondern mit der Sehnsucht einer Einsamen. Angst, Trauer, etwas anderes wird dem Leser nicht nahgebracht. Doch im Hintergrund steht auch immer der Anfang des Wiederaufrichtens, was man sich so sehr für die Protagonistin wünscht: Der Entdeckun einer neuen Liebe.

Besonders wird das Buch durch die Sichtwechsel gemacht. Nicht nur Nathalie steht im Mittelpunkt, Francois mag es ebenso sein oder Nathalies Chef. Die Geschichte wirkt immer größer, Handlungen ziehen weite Kreise. Doch auch eine Zutatenliste, Fussballergebnisse, die Entfernung zwischen Paris und Moskau und Lyriks entwickeln eine Beziehung zu dieser Geschichte, so zusammenhangslos und unwichtig es auch zu Beginn scheint.
Alles trägt dazu bei, sich auch emotional darauf einzulassen, in dem Geschehen zu verschwinden. Nathalie und Francois lassen den Leser lieben, Nathalies Tränen rechtfertigen eigenes Weinen und ihr Wiederaufstehen bringt Glück und Hoffnung auch außerhalb der Geschichte.

Auch wenn manchmal alles zu perfekt und idealisiert erscheint, was einen kleinen Kritikpunkt kostet, so sind es doch die genaue Zeichnung der Personen, die Komplexität und die Bildhaftigkeit der Geschichte, die das Buch einmalig und so wunderbar machen. Aber auch die Momente, die mal nichts mit der unmittelbaren Liebe zu tun haben, wirken doch auf eine mal komische, mal wütende Art.

Fazit: Nathalie küsst ist ein wundervolles Buch über die Liebe und ihren Schmerz, das einen berührt und nicht loslässt, sondern immer weiter mit sich zieht. Gefühle zu zeigen, ist erwünscht und nicht nur für zart besaitete Leser möglich.

Empfehlenswert:

Vielen Dank an Blogg dein Buch für dieses Rezensionsexemplar

Margaret Mazzantini – Das schönste Wort der Welt

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Inhalt: Eines Tages ruft Gojko an, aus heiterem Himmel. Seit einigen Jahren hat Gemma nichts mehr von ihm gehört. Sie macht sich mit ihrem Sohn Pietro auf nach Sarajevo, dem Ort, wo sie einst den Fotographen Diego kennenlernte, Pietros Vater. Diego, den sie bei den Olympischen Spielen zum ersten Mal traf, mit dem sie die gemeinsamen Jahre in Rom verbrachte und wegen dem sie im Krieg lebte und dort ihren Sohn bekam.

Meine Meinung: Gemma, bereits über fünfzig, Ich-Erzählerin und Protagonistin, lebt mit ihrem Mann Giuliano und ihrem Sohn Pietro zusammen. Mit letzterem bricht sie nach Sarajevo auf, und trifft dort auf ihren alten Freund Gojko. Er ist Dichter und arbeitete in der Vergangenheit als Fremdenführer und Dolmetscher und er weckt mit einer gemeinsamen Woche in der vom Krieg gezeichneten Stadt alte Erinnerungen. Während sie in Sarajevo alte und bekannte Orte und Menschen entdeckt und sich mit ihrem Sohn herumschlägt, der nichts mit seinem Vater zu tun haben möchte, denkt sie an die Zeit mit Diego zurück.

Diego ist etwas jünger als Gemma, verliebt sich aber schnell in die Frau. Er macht anfangs einen teilweise kindischen Eindruck, reist hinter der Protagonistin her, als sie Sarajevo zum ersten Mal verlässt. Als Fotograph liebt er es, Pfützen zu fotographieren, weil sie etwas einfagen, was man erst später bemerkt. Eine wunderbare Beschreibung. Mit der Zeit macht er die wahrscheinlich größte Wandlung in diesem Buch durch. Zu Beginn ist er freier Fotograph, später unterrichtet er Fotographie, arbeitet aber auch für Werbeagenturen. Erst ganz zum Schluss merkt der Leser, dass wie viel Verantwortung, Schuld und Ernsthaftigkeit in diesem Mann stecken.

Zwischen diesen beiden Personen entwickelt sich eine Liebe, die nicht zu überzogen daherkommt, mit all ihren Höhen und Tiefen. Gemma verlässt für Diego ihren ersten Mann. Die beiden wünschen sich ein Kind. Mit Verlauf der Geschichte merkt man, dass dieser Wunsch viele Tiefen zur Folge hat. Sie merken selbst, dass sie sich verändern und damit auch ihre Beziehung. Trotzdem halten beide aneinander fest, auf eine sehr berührende Art.

Besonders reizvoll sind auch die vielen Nebencharaktere. Gojkos kleine Schwester Sebina zum Beispiel wird Gemmas Patenkind. Obwohl diese das Mädchen erst richtig kennenlernt, als es bereits zehn Jahre ist, ist Gemma in Sebina vernarrt und auch die Leser kommt kaum darum herum, sie gern zu haben.
Aber auch Gemmas Vater hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Anfangs scheint er distanziert, etwas kühl. Erst durch Diego wird er zu einer warmen Figur, die den Leser beeindruckt und berührt.

Die Autorin hat ein oftmals ruhiges Buch geschrieben, sodass die Verbindung zwischen Gemma und Diego nicht überspitzt wird. Dank des Klappentextes erfährt man, dass die beiden auch stark an der Stadt Sarajevo hängen, wo sie sich auch während des Krieges befinden. Leider kommen diese Ereignisse erst nach etwas mehr als der Hälfte des Buches. Trotzdem sind auch die Geschehnisse bis dahin lesenswert. Aber besonders die Zeit des Kriegs sticht in der ruhigen und bildhaften Erzählweise heraus.

Den Toten nicht die Zeit zu geben, sich zu offenbaren und real zu werden, man muss unbeirrt weitergehen, darf einen Leichnam nicht von einem Sandsack unterscheiden, man muss sie unterschiedlos hinter sich lassen, muss sie von der Wahrheit entfernen und darf nur auf den eigenen Weg achten.“ (S.466-467)

Fazit: „Das schönste Wort der Welt“ ist eine Geschichte, die berührt, unter die Haut geht. Es ist eine zarte Liebesgeschichte, die ruhig beginnt und über den Krieg hinaus mit einer Überraschung endet. Mir hat es gefallen, auch wenn ich es nicht jedem weiterempfehlen kann.

Originaltitel: Venuto al mondo
Autorin: Margaret Mazzantini
Verlag: Dumon Verlag

Vielen Dank an Blog dein Buch und den Dumont Verlag für dieses Buch!

Hitori Nakano – Train Man

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Originaltitel: Dencha Otoko
Autor: Hitori Nakano (Pseudonym)
Verlag: Carlsen (vergriffen)
ISBN: 978-3551581730
Seiten: 432
Datum: August 2007

Inhalt: Ein junger Man beschützt eine Frau im Zug vor einem Betrunkenen. Kurz darauf bedankt sie sich mit einem Paar Tassen. Unter dem Pseudonym „Train“ sucht der Mann Hilfe in einem Internetforum. Wie soll er sich für das Geschenk bedanken?  Per Mail, oder doch lieber Anrufen?
Das sich aus dieser Begegnung mehr entwickelt, weiß da weder Train, noch die anderen Nutzer des Forums, die von nun an online eine reale Liebesgeschichte verfolgen.

Meine Meinung: Das Reizvolle an diesem Buch ist wohl die Tatsache, dass es sich hierbei um eine reale Geschichte handelt. Einer der Nutzer hat viele der Kommentare aus den Threads über Train kopiert und in einem Buch zusammengefasst. Bis heute ist nicht klar, wer hinter dem Pseudonym „Train“ wirklich steckt.

Train ist ein junger Mann, der sich selbst als „Otaku“ bezeichnet. Auf Deutsch würde man „Freak“ dazu sagen. Er wohnt noch bei seinen Eltern, schaut Manga und liebt Computerspiele. Von Mode und ähnlichem hat er keine Ahnung.
Dass er eine junge Frau vor einem Betrunkenen schützt, überrascht ihn selbst. Normalerweise strotzt er nicht gerade vor Selbstbewusstsein. Als er schließlich als Dankeschön zwei Tassen von der Frau bekommt, ist er überfragt. Er sucht in einem Internetforum Hilfe. Die Nutzer geben ihm laufend Ratschläge, auch wenn es sich bei ihnen ebenfalls nur um „Otakus“ handelt. Mit der Zeit entwickelt sich immer mehr zwischen Train und Hermes, so wird die Frau an Anlehnung an die Marke der Tassen von den Nutzer genannt.

Hermes scheint aus einer wohlhabenden Familie zu stammen. Sie ist gut angezogen, geht gerne in verschiedenen Restaurants essen. Eigentlich ist sie das komplette Gegenteil von Train. Dass sich trotzdem etwas zwischen dem anständigen Mädchen und dem einsamen Otaku entwickelt, grenzt schon an ein Wunder.
Möglich wird das aber auch nur dank der Internetnutzer, die Train in Sachen Mode und Haarschnitt beraten, Tipps für Ausgehen und Benehmen geben und ihn unentwegt anfeuern. Mit Verlauf der Geschichte wird Train für sie eine Art Hoffnungsträger, dass auch sie eines Tages ihre Liebe finden werden.

Der neue Train ist echt cool.
Aber es war das Ich vor seiner Verwandlung, das am Anfang Mut gezeigt hat. (S.289)

Von der eigentlichen Geschichte zwischen Train und Hermes erfährt der Leser nur durch Trains Posts, die im Buch extra kenntlich gemacht worden sind. Alles anderen sind nicht einmal mit einem Benutzernamen versehen und oft sehr kurz gehalten. Da die Posts nicht verändert wurden, gibt es viele Abkürzungen und japanische Bezeichnungen, die im Anhang erklärt werden. Für weiteres „Forumfeeling“ sogen die ASCII-Bilder, die manchmal ausdrucksstärker sind, als die geschriebenen Worte. Leider sind die Bilder ab und an auch etwas schwer zu deuten, bzw. nicht zu erkennen.
Mit der Zeit merkt man, dass der Thread größer wird, auch ohne Benutzernamen. Die Unterhaltungen zwischen wichtigen Ereignissen, die Train zu berichten hat, werden dabei mit der Zeit etwas langartmiger, insgesamt hält sich das aber noch in Grenzen. Unterhaltsam sind dann wieder die Passagen, in denen die Nutzer einen Krieg zu führen scheinen, bei dem sie von Trains hoffnungsvollen Posts getroffen werden. Ein bisschen Fantasie ist hier schon gefragt.

Fazit: Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen. Auf die Aufmachung und die Inhalte mancher Unterhaltungen muss man sich einlassen können. Dann hat diese Liebesgeschichte durchaus Charme. Trotz ein paar Längen, ist es eine schöne und zeitgenössische Liebesgeschichte.

Jenny Downham – You against me

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Originaltitel: You against me
Dt. Ausgabe: Ich gegen dich
Autorin: Jenny Downham
Verlag: David Fickling Books
ISBN: 978-1849920483
Seiten: 412
Datum: 2011
Extra: Leseprobe

Inhalt: Mickeys Schwester Karyn behauptet, vergewaltigt worden zu sein. Ihr älterer Bruder schwört Rache und schleicht bei einer Party ihres Peinigers Tom ein. Dort lernt der Junge Toms Schwester Ellie kennen. Anfangs versucht er nur, Informationen aus ihr herauszubekommen, um seinen Racheplan schmieden zu können. Doch nach und nach entwickelt sich zwischen ihnen eine eigene Geschichte…

Meine Meinung: In 45 Kapiteln wird die Geschichte der beiden Protagonisten erzählt. Dabei wechselt die Autorin zwischen Mickey und Ellie und erzählt so aus beiden Perspektiven, die anfangs kaum verschiedener sein könnten.
Ellies Eltern sind wohlhabend, haben ein großes Haus und einen schönen Garten. Das Mädchen selbst geht noch zur Schule, ihr Bruder studiert. Mickey hingegen lebt in einer kleinen Wohnung mit seiner alkoholkranken Mutter und zwei jüngeren Schwestern. Er arbeitet in einem kleinen Lokal als „Tellerwäscher“ und will eines Tages ein gefeierter Spitzenkoch in London werden. Doch für beide ändert sich alles, als Karyn zur Polizei geht.
Tom und seine Familie werden verhört, er selbst wird in Untersuchungshaft genommen, Ellie wird in der Schule von Mitschülern konfrontiert. Karyn traut sich nicht mehr aus dem Haus, die Mutter trinkt immer mehr Alkohol, Mickeys jüngste Schwester geht kaum noch zur Schule. Mickey selbst findet kaum Unterstützung, eine Bestätigung für Karyn Geschichte gibt es nicht, „Karyns Polizistin“ schenkt er kein Vertrauen. Stattdessen nimmt er die gesamte Verantwortung auf sich und fühlt sich deshalb verpflichtet, selbst für Gerechtigkeit zu sorgen.

So begegnen sich diese beiden vollkommen unterschiedlichen Charaktere. Ellie weiß anfangs nicht, wer Mickey in Wirklichkeit ist. Doch zum ersten Mal fühlt sie sich von einem Jungen angezogen. Und obwohl Mickey eigentlich bei seinen ersten Begegnungen nur Sachen über Tom herausfinden will, spürt er das Gleiche.

Thematisch steht diese Entwicklung natürlich im Vordergrund. Darumherum spielt aber auch die Vergewaltigung eine wichtige Rolle. Natürlich steht sie zwischen den beiden Protagonisten. Besonders Ellie ist verunsichert, weil sie für diese Beziehung keine Unterstützung bei ihren Eltern finden kann. Und dann beginnt sie, sich zu erinnern an den Abend, an den Karyn bei ihr zu Hause vergewaltigt wurde. Bei ihr ist der innere Konflikt größer als bei Mickey. Er machte auf mich bis kurz vor Schluss den Eindruck, als stehe die Familie immer noch über der Beziehung, dennoch gibt er eine Menge für Ellie auf.

Die beiden Protagonisten sind im Grunde sehr sympatisch, obwohl Mickey zu Beginn des Buches noch ein großer Frauenheld ist. Ihre gemeinsamen Szenen sind sehr einfühlsam und realistisch erzählt, Ellies Auftritte zeugen mit Verlauf der Geschichte immer mehr von ihrer Zerrissenheit.
Dazu trägt der Charakter Toms bei. Einen Moment scheint er der liebevolle ältere Bruder, der Angst hat, ins Gefängnis zu kommen, im nächsten tobt er vor Wut über Ellies Beziehung zu Mickey. Aber auch die fünfzehnjährige Karyn ist mir nicht sympatisch. Man erfährt, dass sie bereits auf Partys geht, sich betrinkt und aufreizend anzieht. Sie macht natürlich eine große Veränderung durch und wird ein verstörtes Mädchen, das nicht mehr aus dem Haus will. Allerdings spielt sie in einigen Szenen diese Rolle mehr schlecht als recht und erscheint dem Leser unglaubwürdig.

Spannend bleibt die ganze Zeit über, wer von den beiden, Tom oder Karyn, lügt. Der Leser wechselt zwischen beiden die Fronten, denn die Autorin schafft es, beide mal mehr mal weniger glaubwürdig darzustellen. Aber auch die Geschichte zwischen Mickey und Ellie trägt dazu bei. Leider ist manchmal sehr offensichtlich ein Vorbild namens „Romeo und Julia“ zu erkennen. Dazu stockt die Geschichte zwischendurch immer wieder und es kommt zu kleinen Längen, über die man aber hinwegsehen könnte. Einen weiteren Abzug gibt es für das Ende, was mir etwas zu offen war.

Fazit: Eine kurzweilige Liebesgeschichte, die man durchaus zur Hand nehmen kann. Wer Bevor ich sterbe mag oder gerne Geschichten à la Romeo and Juliet liest, wird sich wohl auch hierdran erfreuen können.

Empfehlenswert:

Julia Karr – XVI

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Originaltitel: XVI
Reihe: XVI
Dt. Ausgabe: The Sign – Nur zu deiner Sicherheit
Autor: Julia Karr
Verlag: Speak
ISBN: 978-0142417713
Seiten: 272
Datum: Januar 2011
Extra: Nina’s Diary

Inhalt: Nina lebt in einer Zukunft, in der ein hartes Regime regiert. Strenge Regeln und Kontrollen sind an der Tagesordnung. Besonders fürchtet sie sich aber vor ihrem sechzehnten Geburtstag. Dann bekommt sie, wie alle Mädchen ein Tatto auf die Hand, um legal Sex haben zu dürfen. Viele freuen sich darauf, doch Nina ist im Gegensatz zu ihrer besten Freundin Sandy skeptisch.
Eines Tages wird ihre Mutter getötet und Nina flieht mit ihrer Halbschwester Dee vor deren brutalen Vater Ed. Sie verliebt sich in Sal, einen Widerstandskämpfer, der ihr erzählt, dass ihr Vater noch am leben ist und ebenfalls gegen das Regime kämpft.

Meine Meinung: Diese Geschichte spielt in der Zukunft, auch wenn man das beim Lesen oftmals kaum wahrnimmt. Schauplatz ist Chicago, das sich von der heutigen Stadt kaum unterscheidet. Man fährt mit Bus und Zug, Gebäude und Autos scheinen ungefähr die gleichen zu sein, wie in unserer Zeit, wobei Letzteres in der Luxusklasse dennoch einige Extras aufweist.
Einzig das politische System ist ein anderes, größtenteils aber auch in der Gegenwart realisierbar: Die Menschen werden nach ihren Berufen in Klassen eingeteilt. Ninas Mutter ist eine Zwei, die Familie ihres Freundes Mikes nur eine Eins, weshalb sie kaum Essen und Kleidung haben. Wei, eine Freundin von Sal, ist eine Zehn, lebt in einem riesigen Haus aus dem 20. Jahrhundert und genießt einige Privilegien. Desweiteren ist die Regierung in der Lage, fast alles abzuhören, was in Gebäuden, Autos und freien Plätzen gesprochen wird. Außerdem bekommen Mädchen mit sechzehn und Jungen mit achtzehn einen Chip implantiert, durch den man per GPS ihren Aufenthaltsort bestimmen kann.
Doch es gibt eine geheime Widerstandbewegung, gegen die das Regime hart vorzugehen versucht. Nina erfährt, dass ihre Eltern dazu gehörten und ihr Vater seinen Tod vortäuschen musste, um seine Familie zu retten. Und auch Weis Eltern und Sal gehören dazu.

Protagonistin Nina ist gerade einmal fünfzehn, benimmt sich allerdings meistens so, als wäre sie bereits erwachsen. Schließlich trägt sie eine Menge Verantwortung. Zum einen hat sie ihrer Mutter vor ihrem Tod versprochen, ihrem Vater etwas zu überbringen; zum anderen muss sie ihre Halbschwester Dee vor deren brutalen Vater Ed beschützen, der sie jederzeit als Dienstmädchen mit sich nehmen darf.
Gleichzeitig verliebt sie sich in Sal und macht sich Vorwürfe, weil sie gegen das Tattoo und die Legalisierung von Sex ist. Eigentlich dürfte eine Beziehung zu einem Jungen gar nicht für sie in Frage kommen. Die Liebesgeschichte mit all ihren Verwirrungen und Grfühlen hält sich allerdings noch in Maßen. Es gibt zwar die ein oder andere Szene, die in den Kitsch abgleitet, aber es lässt sich noch verkraften. Stattdessen gibt es aber auch andere Paare in Ninas Clique, die leider nur am Rand angesprochen werden.

Insgesamt sind die Personen aus Ninas Freundeskreis eigentlich sehr sympatisch. Wei gehört zwar zur Oberklasse, gibt sich trotzdem mit ihnen ab und bietet Nina auch immer Hilfe an. Derek verliebt sich anfangs in die Protagonistin und tat mir etwas Leid, als er abgewiesen wurde.
Einzig Ninas nervige beste Freundin Sandy passt hier nicht ganz ins Bild. Das ganze Buch hindurch habe ich mich gefragt, wie sie mit dieser Person befreundet sein kann. Sandy hat ein komplett anderes Bild von der Tattoos als ihr Freundin. Sie kann ihren Geburtstag kaum erwarten und will unbedingt in das Programm „FeLS“, dass jungen Mädchen aus den Unterschichten eine Alternative bietet. Doch Nina ahnt, dass mehr dahinter steckt; Sandy mit ihrer Naivität lässt sich davon allerdings nicht überzeigen.

Der Schreibstil ist einem Jugendbuch angepasst. Alles in allem ist das Buch generell ruhiger als erwartet. Es kommt zwar zu einer Vervolgungsjagd und das Ende bietet mit einem interessanten Schauplatz doch noch Spannung, aber andonsten spielt die Geschichte meistens an vertrauten Orten, wo es kaum bzw. gar keine gefährlichen Situationen gibt.

Fazit: Insgesamt hat mir das Buch dank sympatischer Charaktere gefallen. Selbst die Liebesgeschichte war in Ordnung. Allein ie Geschichte hätte etwas mehr Tempo und Spannung vertragen können. Allerdings glaube ich, dass dies im Nachfolger der Fall sein wird.

Kim Winter – Sternenschimmer

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Inhalt: Mia lebt in einer Zukunft, in der die Menschen durch den Klimawandel gezwungen sind, unter großen Kuppeln zu leben. Währenddessen bricht auf dem befreundeten Planeten Loduun ein Krieg aus und einige der Kinder werden zur Erde gebracht und leben in kleinen Gruppen in Häusern, wo man sie in Sicherheit sieht. Mia beginnt, in einem dieser Häuser zu arbeiten, wo sie auf Luna, Tony, Ariel, Silas und Hope trifft. Und auf Hopes Bruder, Iason.

Meine Meinung: In 39 Kapiteln erzählt die Autorin mit leicht versständlicher Sprache die Liebesgeschichte zwischen der Ich-Erzählerin Mia und dem Außerirdischen Iason. Er sieht zwar aus wie ein Mensch, aber die Protagonistin lernt mit der Zeit immer mehr Eigenarten der Loduuner kennen: Sie kennen keine Geschichten und haben jeder eine Aufgabe zu erfüllen bevor sie sterben. Mia lernt etwas über die Hintergründe des Krieges und merkt, wie viel bereits die Kinder unter den Kämpfen auf ihrem Planeten leiden.

Die Liebesgeschichte hat mir nicht sonderlich gefallen, da sie sehr typisch für dieses Genre ist und kaum etwas Neues aufweisen konnte. Es war teilweise sehr kitschig, besonders die Dialoge zwischen Iason und Mia waren oft überflüssig oder übertrieben.
Stattdessen mochte ich die Stellen, in denen die Kinder im Vordergrund stehen und man immer wieder ihre unterdrückte Angst und ihr Leid sehen konnte. Man merkt, dass jedes damit anders umgeht und sich anders verhält und ich konnte das auch sehr gut nachvollziehen, nachdem Iason erzählt, wie sie auf Loduun gelitten haben.

Zwar gefällt mir der Hauptaspekt des Buches eher weniger, dafür aber die Nebenhandlungen, wie bereits bei „Ugly“. Da wäre zum Beispiel die Diskriminierung der Loduuner oder auch die Veränderung der Welt durch den Klimawandel und die Umweltverschmutzung, obwohl ich mir and diesen Stellen manchmal noch etwas mehr gewünscht hätte.

Fazit: Insgesamt kann ich das Buch besonders Genreliebhabern ans Herz legen. Ich selbst werde wahrscheinlich auch die beiden Nachfolger lesen, weil mir außer der Liebesgeschichte fast alles gefallen hat.

Originaltitel: Sternenschimmer
Autor: Kim Winter
Verlag: Planet Girl

Jenny Downham – Bevor ich sterbe

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Originaltitel: Before I die
Autorin: Jenny Downham
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-47106-5
Seiten: 320
Datum: November 2009
Extra: Leseprobe, Filmtrailer

Inhalt: Tessa hat keine Lust mehr, ihre Zeit mit Krankenhaus und Therapie. Sie gibt den Kampf auf und beschließt, in ihren letzten Monaten all das zu tun, was sie noch vor ihrem Tod machen will: Autofahren, Diebstahl, Sex, und weitere sieben Punkte, die sie mit ihrer besten Freundin Zoey erleben will. Doch dann lernt sie ihren Nachbarn Adam kennen und auf einmal ändert sich ihre Liste und er ihre letzten Monate.

Meine Meinung: Tessa erzählt aus ihrer Sicht in 46 Kapiteln ihre letzten Monate. Meistens spielt die Geschichte in der Gegenwart, nur selten erzählt sie von den vergangenen Jahren.

Wichtig in diesem Buch sind ihre Beziehungen zu ihrem jüngeren Bruder Cal, der gerne Zaubertricks vorführt, zu ihrem alleinerziehenden Vater, der mit Tessas Situation nicht immer zurecht kommt, und zu ihrer Mutter, die versucht, wieder an ihrem Leben teilzuhaben.  Aber auch Zoey und Adam sind wichtige Personen, die Tessa abis zum Ende begleiten. Aber für alle von ihnen ist es oftmals schwer, ihre Entscheidungen nachzuvollziehen und mit ihr zurecht zu kommen. Denn ihre Liste bringt sie oft in unmögliche Situationen, die auch mal brenzlig werden können.

Tessa einzuschätzen war beim Lesen für mich fast unmöglich. Sie hat sich entschlossen, zu sterben und reagiert besonders anfangs sehr depressiv, obwohl es ihre eigene Entscheidung war. Da ich selbst niemanden mit Leukämie kenne, fiel es mir schwer, zu verstehen, wie sie von Kapitel zu Kapitel zwischen Depression, Wut und Freude wechselt. Nur mit Adam erlebt sie wirkliche Liebe, was sich im Verlauf der Geschichte immer bemerkbarer macht.

Fazit: Ein hoffnungsvolles Buch ist es gewiss nicht. Allein die Tatsache, dass Tessa sich mit dem Tod abgefunden hat, ist sehr schwer zu akzeptieren. Da ich ihren Charakter nicht ganz nachvollziehen konnte, hatte ich einige Probleme mit dem Buch. Ansonsten liest es sich recht schnell, besonders das Ende, was mich schließlich doch sehr berührt hat.

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