Zlata Filipovic – Ich bin ein Mädchen aus Sarajevo

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Originaltitel: Le Journal de Zlata
Autorin: Zlata Filipovic
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3404613205
Seiten: 191
Datum: 1995
Extra: Freedom Writers

Inhalt: Zlata verlebt in Sarajevo eine glückliche Kindheit bis 1992 der Krieg in der Stadt ausbricht. Das Mädchen erlebt Jahre im Schatten von Granaten, Heckenschützen und der ständigen Angst. Ihre Kindheit endet im Hunger, in der Kälte, in der Enge der Wohnung, in dem Verlust der Freiheit. Doch Zlata gibt nicht auf und bringt all ihre Ängste und Hoffnungen zu Papier.

Meine Meinung: Zlata ist gerade einmal zehn Jahre alt, als sie ihr Tagebuch mit Namen „Mimmy“ beginnt. Sie ist ein fröhliches und kluges Mädchen, verbringt gerne Zeit mit Freunden und Familie und ist gerne draußen in der Natur. Man taucht in die normale Welt der wohl behüteten Protagonistin ein, die anfangs noch sehr knapp von ihrem Alltag berichtet. Erste Schattenseiten zeigen sich, als sie von der Belagerung der Stadt Dubrovnik im Süden des heutigen Kroatien hört, wo sich ein Bekannter der Familie aufhält. Zu dieser Zeit kann Zlata mit dem Begriff „Krieg“ noch nicht viel anfangen; es ist nichts Greifbares; nichts Reales; etwas, das sie niemals betreffen wird. Zumindest redet sich das Mädchen das ein.

Doch am 5. März 1992 schwankt Sarajevo, denn auch die Heimatstadt der Elfjährigen wird von ersten Attentaten eingeholt. Granaten und Kugelhagel werden nach und nach zur Gewohnheit, aber trotzdem schüren sie die Furcht vor dem Tod. Noch mehr macht ihr zu schaffen, dass ihre Freunde und ihre Schulkamerade, Nachbarn und Verwandte die Stadt verlassen, um dem Krieg zu entfliehen und Zlata scheint immer einsamer und bedrückter zu werden. Sie wird zunehmend hoffnungsloser und findet immer seltener Tage, die ihr ein bisschen Frieden und einen Grund zum Lächeln geben.

Den Schreibstil Zlatas konnte ich bis zum Schluss nicht richtig einschätzen. Sie ist noch ziemlich jung, als sie ihr Tagebuch beginnt und dementsprechend sind die Sätze kurz gehalten und wirken nicht durchdacht. Die Einträgen selbst bestehen lediglich aus drei oder vier Sätzen. Erst mit der Zeit entwickelt das Mädchen einen Stil, der manchmal einen Schritt zurück geht oder aber bildgewaltig und eindrucksvoll ist.

Und bald kommt der Frühling. Der zweite Kriegsfrühling. Ich weiß das aus dem Kalender, denn der Frühling – den seh ich nicht, ich kann ihn nicht sehen, denn ich spüre ihn nicht. Ich sehe nur die armen Unglücklichen, die immer weiter Wasser schleppen, und andere, noch unglücklichere junge Männer, denen ein Arm oder ein Bein fehlt. Das sind die, die das Glück oder das Unglück hatten, nicht getötet zu werden.
Es gibt keine Bäume mehr, die zum Leben erwachen, keine Vögel, der Krieg hat alles kaputtgemacht. Kein Frühlingsgezwitscher. Es gibt nicht einmal mehr Tauben, das Wahrzeichen von Sarajevo. Keine Kinderstimmen, keine Spiele. Die Kinder sind anscheinend keine Kinder mehr. Sie haben ihnen die Kindheit genommen, und ohne Kindheit gibt es keine Kinder. Ich habe den Eindruck, dass Sarajevo langsam stirbt, verschwindet. Das Leben verschwindet. Und wie soll ich da den Frühling spüren, den Frühling, der das Leben weckt; denn hier gibt es kein Leben, hier ist anscheinend alles hinüber. (S. 127-128)

Besonders schockierend ist an solchen Passagen immer wieder die Verzweiflung, die aus Zlatas Worten spricht. Manchmal geht sie sogar so weit, von Selbstmord zu sprechen, statt die tägliche Angst aushalten zu müssen. Zwar schildert sie später kaum noch die Schüsse und die Einschläge der Granaten, dafür ist es zu sehr zur Routine geworden, aber die Angst scheint allgegenwärtig.

Fazit: Zlatas Schicksal hat mich berührt, teilweise sogar zu Tränen gerührt. Allerdings habe ich den Schreibstil bis zuletzt als störend empfunden und das plötzliche Ende hat mir ebenfalls nicht gefallen.

Empfehlenswert:

Regine Stokke – Gegen die Angst: Face your Fear. Accept your War.

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Originaltitel: Regines bok
Autor: Regine Stokke
Verlag: Oetinger
ISBN: 978-3789147456
Seiten: 365
Datum: 2012
Extra: Regines Blog

Inhalt: Im Alter von 17 Jahren erkrankt Regine an Leukämie. Das Mädchen nimmt den Kampf gegen die Krankheit auf und erstellt den Blog Face your Fear, in dem sie ihre Gedanken und Gefühle verarbeitet. In den folgenden Monaten verfolgen tausende Blogger das Schicksal eines jungens Menschen, das viele zu Tränen rührt.

Meine Meinung: Bereits nach wenigen Seiten standen mir die Tränen in den Augen. Dieses Buch führt einem vor Augen, wie ungerecht das Leben sein kann und wie wenig Einfluss wir auf unser eigenes Schicksal haben.

Das Buch beginnt mit einem Vorwort, in dem Regines Wunsch angesprochen wird, ihren Blog nach ihrem Tod als Buch zu veröffentlichen. Ich habe erst überlegt, diese Information wegzulassen, aber man stößt unmittelbar zu Beginn darauf: Regine ist mit 18 Jahren schließlich an ihrer Krankheit gestorben. Ihren letzten Wunsch hat man ihr erfüllt und so verfolgt man den Kampf der jungen Norwegerin in ihren Blogeinträgen.
Sie schreibt viel über ihre Gefühle, über Hoffnungslosigkeit und Mut, erklärt aber auch immer wieder geduldig, welche Krankheit sie hat, welche Therapien gemacht werden und mit welchem Ziel. Sie ruft auf zu Blut- und Knochenmarkspenden und verlinkt Artikel, die in den Medien über das todkranke Mädchen auftauchen oder berichtet von Menschen, die Ähnliches durchmachen. Mit der Zeit werden auch immer mehr Kommentare von Bloglesern abgedruckt, die Regine meistens Glück wünschen und ihre Unterstützung bekunden. Vielleicht sind es sogar die vielen aufbauenden und tröstenden Worte, die ihre am Ende mehr Zeit verschaffen.

Regine ist nicht nur das kranke Mädchen, das man bedauern muss, sondern sie versucht, ihr Leben weiterzuleben neben dem Krankenhaus, auch wenn das nicht immer möglich ist. Grillen mit Freunden, Festivalbesuche und die Hoffnung, doch noch zur Schule gehen zu können, geben ihr über lange Zeit Kraft und etwas Normalität zurück. In ihr steckt aber auch noch ein Talent, denn neben ihrem Blog versucht sie, ihre Gefühle mit Kreativität zu verarbeiten. Bereits vor ihrer Krankheit fotographiert sie leidenschaftlich gern, sie beginnt zu malen und einige ihrer Fotos und Bilder sind auch in dem Buch abgedruckt. Ihre Einträge sind zudem sehr gut geschrieben und erzählen von Lebensweisheiten, die Regine versucht, ihren Lesern beizubringen:

„So eine Geschichte trägt auch dazu bei, das Gute im Menschen zum Vorschein zu bringen. Leute engagieren sich, helfen. Man muss nicht immer mit Geld helfen, es reicht schon, ein Mitmensch zu sein, der anderen beisteht. Es reicht, für andere da zu sein, zu zeigen, dass einem etwas an dem anderen liegt.“ (S. 135 )

Regine mag gestorben sein, aber im Bewusstsein der Menschen darf sie weiterleben, denn sie hat sich in die Herzen vieler geschrieben. Sie hat versucht, bis zuletzt stark zu bleiben, auch wenn bisher unveröffentlichte Tagebucheinträge zeigen, wie sehr sie unter der Angst vor dem Tod gelitten hat. Selbst in ihrem Blog springt sie immer wieder in die völlige Selbstaufgabe.

„Ich will nicht sterben, auch wenn ich merke, dass ich bald keine Kraft mehr habe. Ich habe es satt, zu kämpfen. […] Die Leute um mich herum weinen. […] Ich habe Angst um sie.“ (S.122)

Nicht nur ihre Blogleser beweisen, dass dieses Mädchen viele berührt, angesprochen und vielleicht sogar verändert hat. Auch ihre Familie meldet sich zu Wort, schreibt über diese wunderbare Enkelin, Tochter und Schwester, die das Leben vieler Menschen bereichert hat.

Fazit: Kein Buch hat mich bisher so sehr zu Tränen gerührt, gefesselt und nachdenklich gemacht. Und kein Buch hat mir bisher die Ungerechtigkeit dieser Welt so klar vor Augen geführt. Ich lege es jedem ans Herz, sich mit diesem Schicksal auseinanderzusetzen.

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