Ernest Cline – Ready Player One

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Originaltitel: Ready Player One
Autor:
Ernest Cline
Verlag:
Penhaligon -> bestellen
ISBN: 978-3764530907
Seiten: 512
Datum: 2012
Extra:
Buchtrailer, Leseprobe, deutsche Homepage

Inhalt: Wir befinden uns im Jahr 2044. Umweltverschmutzung und Ressourcenknappheit haben die Welt zu einem Ort gemacht, der von Armut und Hunger regiert wird. Die Menschen flüchten sich deshalb in das kostenlose Spiel namens OASIS. Dort wird der Spieler dank modernster Technik Teil eines virtuellen Universums, das fast grenzenlose Möglichkeiten eröffnet. Genau dort wird der größte Wettkampf der Welt eröffnet: Die Jagd auf das Erbe des OASIS-Erfinders…

Meine Meinung: Als Hommage an die 80er Jahre betitelt, hat mich das Buch zu Anfang abgeschreckt. Ende des 20. Jahrhunderts geboren, konnte ich nur mit einem Bruchteil der Anspielungen auf Filme, Musik, Spiele und Technik etwas anfangen, die in diesem Buch haufenweise erwähnt werden. Grund dafür ist Halliday, der „Vater“ von Oasis, ein fanatischer Fan der 80er Jahre und seit inzwischen fünf Jahren Bewohner des Himmels. Sein milliardenschweres Erbe wartet allerdings immer noch irgendwo in den Weiten von OASIS darauf, gefunden zu werden.

Der Protagonist Wade lebt in einem armen Viertel in dem Wohnwagen seiner Tante und verbringt so viel Zeit wie möglich in OASIS. Er ist ein Jäger auf der Suche nach Hallidays Erbe, mit dessen Vermögen er sein elendes Leben hinter sich lassen will. Allerdings sitzt er auf dem Schulplaneten Ludus fest und hat kaum die Möglichkeit, auf anderen Planeten nach den drei Schlüsseln zu suchen, die das Tor zu Hallidyas goldenem Ei öffnen sollen. Trotzdem erscheint sein Name eines Tages als erstes nach fünf Jahren auf dem offiziellen Scoreboard der Jagd und von einer Sekunde auf die nächste wird Wades Avatar Parzival zu einer weltweiten Berühmtheit. Neben neuen Verbündeten gewinnt Wade mit dem IOI auch einen mächtigen Gegner und muss nicht nur um sein virtuelles Leben fürchten, sondern wird auch in der Realität verfolgt.

Man erfährt zwar gleich zu Beginn, dass der Protagonist den ersten Schlüssel findet, aber wie das Ganze geschieht, dazu bedarf es fast 200 Seiten. Ein Großteil besteht dabei allerdings aus Beschreibungen von OASIS, Hallidays Leben und der Realität. Schnell entsteht bei dem Leser ein umfassendes Bild einer Welt, in der Realitätsflucht die einzige Möglichkeit bietet, seinem Leben einen Sinn zu geben. Somit werden diese eigentlich recht leeren Seiten interessant, denn es gibt ständig etwas Neues zu entdecken. OASIS ist nun einmal fast endlos und deshalb scheint auch die Geschichte sich ins Endlose fortsetzen zu können. Diese virtuelle Realität fasziniert den Spieler und auch den Leser, denn unendliche Möglichkeiten lauern und die Idee, Orte aus Lieblingsfilmen und -büchern zu besuchen und zu erkunden, ist spannend und erwecket den Wunsch, sich selbst einloggen zu können. Dank einer 3D-Brille und haptischen Handschuhen ist es nämlich so, als würde man ein zweites anonymes und erfülltes Leben leben.

Im Gegenteil dazu erlebt man nur relativ wenig von der wirklichen Welt, die am Abgrund steht und keine wünschenswerte Zukunft darstellt. An dieser Stelle findet sich zudem die Frage, ob Realitätsflucht der richtige Weg ist, mit dem Leben zurecht zu kommen. Wade ist nämlich ein Beispiel dafür, wie echte Gefühle durch eine virtuelle Realität entstehen und wie unerfüllbar sie sind. Denn die Avatare zeigen nicht zwingend den wahren Charakter eines Menschen. Wades Verhaltensweise weist beispielsweise Unterschiede zwischen ihm selbst und seiner Figur Parzival auf.

Das Buch lässt sich flüssig lesen, von großartigen technischen Erklärungen wurde Gott sei Dank abgelassen und auch äußerst detaillierte Beschreibungen von Kämpfen und Computerspielen der 80er Jahre fehlen. Großflächig in OASIS angesiedelt bietet „Ready Player One“ zudem viel Potential für Überraschungen und ein Finale, das zuerst in der Realität den Grundstein setzt und schließlich virtuell mit einem opulenten Ende besticht.

Fazit: Ready Player One ist bereits ein Jahreshighlight für mich und ich finde es schade, dass die 500 Seiten so schnell verflogen sind. Schauplatz und Charaktere sind gut gewählt, mir gefällt auch die Thematik, die allesamt das Buch einzigartig und erinnerungswürdig machen.

Empfehlenswert:

Vielen Dank an Blogg dein Buch für dieses Rezensionsexemplar!

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Gerd Ruebenstrunk – Rebellen der Ewigkeit

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Originaltitel: Rebellen der Ewigkeit
Autor:
Gerd Ruebenstrunk
Verlag:
ArsEdition -> bestellen
ISBN: 978-3760765396
Preis: 17,99€
Extra:
Trailer, Leseprobe

Inhalt: Wir befinden uns in der heutigen Zeit, in der die Wissenschaftlerin Amanda Reisz zu ihrem Entsetzen von ihrem Partner hintergangen wird. 18 Jahre später leitet dieser den erfolgreichen Konzern, der einen regen Lebenszeithandel betreibt – Tempus fugit. Als das Unternehmen Opfer eines Verbrechens wird, beauftragt man die Privatdetektivin Karelia Simms mit den Nachforschungen. Die hat mit Valerie, die Zeit ihres Lebens für die Behandlung ihrer kranken Mutter verkauft, und dem Kurrierdienstfahrer Willis, der von seinen Eltern nach der Geburt in ein Waisenhaus gegeben wurde, jüngst Zuwachs erhalten. Gemeinsam stürzen sie sich in die Arbeit und gelangen auf die Spur der „Rebellen der Ewigkeit“.

Meine Meinung: Obwohl als einziger im Klappentext erwähnt, ist Willis nicht der alleinige Protagonist des Buches. Neben ihm werden auch immer wieder Valerie oder Karelia zu den Hauptpersonen, aus deren Sicht der Leser der Geschichte folgt. Außerdem gibt es immer wieder kleine Zwischeneinschübe, in denen vollkommen fremde Menschen auf dem ganzen Planeten verteilt im Mittelpunkt stehen.
Die drei sind charakterlich sehr verschieden: Willis ist 17 und besitzt seit jeher den Wunsch nach Freiheit und Eigenständigkeit. Deshalb wohnt er bereits seit einiger Zeit in einer eigenen Wohnung, hat das Waisenhaus trotz seines Alters bereits vergessen. Er arbeitet als Fahrradkurrier und kennt sich deshalb in der Umgebung gut aus. Desweiteren ist er sehr direkt, entschlossen und auch leicht zu verärgern.
Valerie dagegen ist eher ruhig und zurückhaltend, wirkt überlegt und vernünftiger als Willis. Sie sorgt sich sehr um ihre kranke Mutter und sucht deshalb Tempus fugit auf, denn mit dem Geld, das sie für den Verkauf ihrer Lebenszeit bekommt, könnte sie die kostspieligen Behandlungen ihrer Mutter bezahlen.
Karelia ist eine Detektivin und hat deshalb viel Erfahrung in schwierigen Situationen. Allerdings hat sie auch ein großes Herz, denn als sie mit Willis und Valerie zusammenstößt – im wahrsten Sinne des Wortes – lässt sie die beiden für sich arbeiten, weil sie in schwierigen Situationen stecken.
Im Büro von Karelia stößt noch Holmes dazu, ungefähr so alt wie Willis und Valerie, aber bereits seit einiger Zeit in Diensten der Detektivin.

Zuerst besteht die Aufgabe der Gruppe darin, aufzuklären, wie alle Zeitbehälter von dem streng bewachten Gelände des Konzerns verschwinden konnten und wer genau eigentlich dahinter steckt. Aber jede Technik hat seine Schattenseiten und man merkt bereits von Beginn an, dass die Protagonisten eine ablehnende Haltung gegenüber den Zeitgeschäften haben. Tempus fugit, übersetzt bedeutet das übrigens soviel wie „die Zeit vergeht“, scheint nicht alles preisgeben zu wollen. Allerdings wird Karelia gut bezahlt, doch es tun sich nach und nach Ungereimtheiten auf, als man schließlich auf die Rebellen stößt, eine geheime Untergrundgruppe, die sich zu dem Vorfall bekennt.

Viel mehr lässt sich nicht konkret zu der Geschichte sagen, ohne zuviel zu verraten, denn alles hängt zusammen. Außerdem ist es so, dass der Anfang sehr lang ist, auch wenn es dem Leser nicht so vorkommt. Tatsächlich lässt sich das Buch sehr schnell und gut lesen, man kann es also, zusätzlich zu dem Alter zweier Protagonisten, gut als Jugendbuch einordnen, wobei ich es erst ab 15 Jahren empfehlen würde. Grund dafür sind einige Ereignisse relativ am Ende, die man so eigentlich nicht erwartet hat.
Ich vermute, der Autor ist tatsächlich mit einer solchen Raffinesse vorgegangen, dem Leser immer den Wunsch nach mehr Spannung und Action, etwas Verwirrung, etc. geben, um sie ihm 10 Seiten später zu geben. Vieles von dem, was ich bereits bemängeln wollte, wurde zumindest wieder ausgebügelt, aber ganz ohne Kritik geht es leider auch nicht:
Mir gefiel, dass über die Verantwortung der Zeithändler gesprochen wurde, aber es gab eine Sache, im Bezug auf Willis, die ich mir etwas ausführlicher gewünscht hätte, denn sie fiel ziemlich schnell wieder unter den Tisch, ohne richtig aufgegriffen zu werden. Außerdem ist im Verhältnis zum Anfang das Buch doch sehr kurz. Ich hätte es mir länger gewünscht.

Fans von Dystopien muss ich übrigens enttäuschen, denn es handelt sich hier um eine Zukunft, die unserer heutigen Realität gar nicht so fremd ist. Man fährt immer noch mit alten Autos, es gibt Fahrräder, normale Supermärkte und die üblichen heruntergekommenden Gegenden. Bis auf die ganze Zeithandelsache ist das einzig futuristische, das mir aufgefallen ist, ein Rollcomputer, der platzsparend zusammengerollt werden kann. Auch politisch konnte ich keine Veränderung gegenüber heutigen Zuständen finden.

Fazit: Zusammenfassend kann ich sagen, dass das Buch für absolut empfehlenswert halte, trotz kleinerer Schönheitsfehler. Mit der Zeit steigert es sich und das Ende finde ich sehr gelungen und passend.

Vielen Dank an Blogg dein Buch für dieses Rezensionsexemplar!